Am 26. Februar ist es wieder soweit. Die 84. Oscarverleihung wird zelebriert und mit der Feier verlassen die kleinen Goldmänner in 24 verschiedenen Kategorien ihren Platz und werden an diejenigen vergeben, die sich im Filmjahr 2011 besonders verdient gemacht haben. Doch hier soll es nicht um die gehen, die evtl. gewinnen werden, sondern um die Schauspieler, die noch keinen Oscar gewonnen haben. Und das, meiner Meinung nach, zu Unrecht.
Bei the Artist habe ich bereits meinen Unmut geäußert, was die Preise in der Kategorie bester Film anbelangt, aber die anderen Hauptkategorien sind mindestens auf gleichem Niveau umstritten. So habe ich bei einer kurzen Recherche 40 Kandidaten herausgefiltert, die als gute Schauspieler gelten, aber bislang nicht die Würde eines Oscars in Händen halten durften. Aus diesen 40, bei denen zugegebenermaßen einige dabei waren, die es vor allen Dingen auf Grund ihrer Attraktivität in die Liste geschafft haben – Emma Watson, Emma Stone, Hugh Jackman – ist die folgende Top 10 der Schauspieler entstanden, die (noch) keinen Oscar gewonnen haben, es aber mehr als verdient hätten.
Wie immer bei unseren Top 10s sei angemerkt, dass diese höchst subjektiv sind, stets garniert mit einer Überraschung, die man so nicht erwartet hätte. Falls ihr also Anmerkungen, Beschwerden, oder eigene Vorschläge haben solltet, dann scheut euch nicht die Kommentarfunktion weiter unten zu benutzen. Wie immer ist die Gefahr groß jemanden vergessen zu haben. Falls diese Person der deutschen Sprache mächtig ist und auf unsere Seite stoßen sollte, dann sei ihr gesagt: David, du warst echt lustig in Voll auf die Nüsse und Euro Trip, aber dein Auftritt in Dancing Ninja hat dich knapp aus der Top 10 befördert.
10. Gary Oldman
Müsste weiter vorne stehen, aber da er als Einziger aus dieser Liste dieses Jahr für den Oscar nominiert ist, hoffen wir mal, dass er ihn endlich in Händen halten kann. Wird er aber nicht. Dennoch ist er ein sehr wandlungsfähiger Schauspieler, der bereits Beethoven, den Mörder von Kennedy, Polizisten, Bösewichte und Sirius Black gespielt hat. Besonders sticht hervor, dass ich noch keinen Film gesehen habe, in dem er keine gute Figur abgegeben hat. Selbst in Red Riding Hood war er der einzige Lichtblick neben dem Vollmond. Ich habe immer eine wahre Freude an ihm, egal in welcher Rolle.
Bemerkenswert ist für mich seine Darstellung von Jean-Baptiste Emanuel Zorg in das Fünfte Element, wo er wahrlich aus sich herausgekommen ist und einen Wahnsinnigen gemimt hat, wie er nicht unterhaltsamer und überzeugender hätte dargestellt werden können. Wird aber, und dieses Jahr auch berechtigt, den Oscar gegen Jean Dujardin und George Clonney nicht gewinnen können.
9. Ralph Fiennes
Für der englische Patient und Schindlers Liste jeweils nominiert worden, verlor aber einmal gegen Tommy Lee Jones und einmal gegen Geoffrey Rush. Ebenfalls ein wahnsinnig wandlungsfähiger Akteur, der in Liebesdramen ebenso brillierte, wie z.B. in Roter Drache als Serienmörder. Mit Kampf der Titanen hat er einen kleinen Schandfleck in seiner Filmographie stehen, wusste diesen aber mit seiner Darbietung vom bislang größten Gegenspieler des 3. Jahrtausends, Lord Voldemort in Harry Potter, zu kaschieren. Dieser hat, trotz seiner Blässe, vor allem dank Ralph Fiennes an Farbe gewonnen. Nicht nur die Übermacht, sondern auch die Verletzlichkeit hat er ihm in den finalen Filmen geschenkt.
Alles in allem ein verdienter Schauspieler, der hoffentlich bald wieder die Chance bekommt in einer gut ausgearbeiteten Rolle seinen Mann zu stehen. Coriolanus wurde dazu leider nicht genug beachtet.
8. Edward Norton
Seit seiner Darstellung vom unglaublichen Hulk ist es ruhig um ihn geworden, aber er hätte mit Zwielicht und American History X bereits zwei Oscars gewinnen müssen. Warum in diesen Jahren Cuba Gooding Jr. und Roberto Benigni die Trophäen mit nach Hause nehmen durften, wissen wohl nur diejenigen, die die Verleihung geschmiert haben. Außerdem ein sehr starker Part in Fight Club und Roter Drache.
Doch er wird für ewig als Derek Vinyard in Erinnerung bleiben, die Rolle, in der er massig Muskelmasse zugelegt hat und einen amerikanischen Neonazi mimte, der aus der Szene ausgestiegen ist. Außerdem bewies er in Lügen macht erfinderisch, dass er auch für lustige Kurzauftritte zu gebrauchen ist. Insgesamt ein sehr, sehr guter Schauspieler, der sich 2006 für den falschen Zaubererfilm entschieden hat.
7. Andy Serkis
Eine kleine Überraschung, da er wohl der unbekannteste aus dieser Top 10 ist. Aber wenn man genau hinschaut, ist für eine der meistzitiertesten Rollen der jüngeren Filmgeschichte verantwortlich. Er ist der Mann, der das Motion Capturing Verfahren durch seine Interpretation von Gollum vorangetrieben und mit auf den Weg gebracht hat. Und nicht nur das. Er hat ebenfalls King Kong und Ceasar aus Planet der Affen: Prevolution seine Mimik und Gestik geliehen. Ein Pionier seines Fachs, würde ich sagen. Und, wenn Hollywood etwas offenerer für Neues wäre, dann hätte er längst eine Nominierung als bester Nebendarsteller erlangt. Seine menschlichen Rollen sind vernachlässigbar, auch wenn er sich damals am richtigen Zaubererfilm beteiligt hat.
Klar können seine Figuren ohne die Tricktechnik nicht bestehen, aber es dürfte wahnsinnig schwer sein, sich in einen Affen, oder eine Fantasiefigur, wie Gollum, hinzuversetzen, weswegen er in dieser Liste auftaucht. Mit Recht. Vielleicht werden seine Verdienste im kleinen Hobbit gewürdigt. Ich bezweifle es.
6. Hugo Weaving
Elrond, Red Skull, V, die Stimme von Megatron, dazu spielt er in vielen kleinen Produktionen mit und er ist Agent Smith aus Matrix. Er hält sich meist etwas zurück, und in V wie Vendetta trägt er den kompletten Film über eine Maske, aber genau in dieser Zurückhaltung liegt seine Stärke. Auch in Matrix fällt er nicht übermäßig auf, liefert aber eine umso beachtlichere Vorstellung seines schauspielerischen Könnens ab. Was er natürlich an erste Stelle besitzt, ist seine Stimme. Die Deutschen merken davon in der synchronisierten Fassung relativ wenig, aber diese ist ebenso wandlungsfähig, wie sein Auftreten in den verschiedensten Filmen.
Es ist schwer eine Leistung herauszupicken, da er nie einen Behinderten, psychisch Kranken, Schizophrenen, Schwulen, Schwarzen oder sonstige Rollen gespielt hat, die einen Oscar garantieren. Aber, wie ich bei meiner Kritik zu V wie Vendetta schon angemerkt habe, was er hier, trotz Maske, für Emotionen transpotiert und sich auf anderem Wege Gehör verschaffen kann, ist einer Position in dieser Aufzählung würdig.
5. Jim Carrey
Das ist der Moment, in dem die meisten Leser mich für verrückt halten. Aber Jim Carrey ist eben nicht nur Dumm und Dümmer und Ace Ventura, sondern auch der Grinch, der Dummschwätzer, die Maske, Bruce Allmächtig, Number 23 und der Mondmann, außerdem spielt er herausragend in Vergiss mein nicht und die Truman Show. Und selbst in seinen vermeintlich dummen Rollen schafft er doch das, wovon viele Leute träumen: Andere zum Lachen zu bringen.
Allein wegen seiner filmischen Vergangenheit wird er nie einen Oscar bekommen, aber die Leistungen, die er in seinen ernsteren Rollen abliefert, hätte ihm so keiner zugetraut und sind allesamt bemerkenswert. Ihr könnt mich weiterhin für verrückt halten, aber Jim Carrey ist ein überdurchschnittlicher Schauspieler sowohl im Bereich Drama, als auch im Bereich Komödie. Und das soll ihm mal einer auf diesem hohen Niveau nachmachen. Von vielen belächelt, von mir beklatscht.
4. Helena Bonham Carter
Es ist schwer gute weibliche Schauspielerinnen zu finden, die noch keinen Oscar gewonnen haben, aber sie gehört zweifelsfrei dazu. 1998 hat sie gegen Helen Hunt und 2011 gegen Melissa Leo den Kürzeren gezogen. Viele Kritiker werfen ihr vor, sie eigne sich nur für die Darstellung von extravagenten, düsteren Frauenbildern. Dass sie diese sehr gut spielen kann, hat sie in Big Fish, Charlie und die Schokoladenfabrik, Sweeney Todd, Alice im Wunderland, Harry Potter und Fight Club vorzüglich bewiesen. Dass sie auch anders kann, durften wir letztes Jahr in Kings Speech bewundern. Spätestens dann sollten auch ihre letzten Zweifler verstummt sein.
Klar ist es nicht einfach auf einen Rollentypus festgefahren zu sein, besonders wenn man in so vielen Tim Burton Filmen mitgespielt hat, aber wie sie letztes Jahr diesen Käfig gesprengt hat, verdient höchste Anerkennung. Warum 2011 die Floddermami aus the Fighter gewonnen hat, weiß ich nicht. Diese abgehalfterte Schmuddelqueen hätte auch Robbin Williams spielen können. Aber das war mal wieder eine Rolle, wie sie die Jury lieber sieht. Vgl. Monster und Charlize Theron. Irgendwann, Helena, irgendwann.
3. Ryan Gosling
Hat allein 2011 zwei oscarwürdige Vorstellungen in Drive und the Ides of March abgeliefert, aber man wollte wohl Brad Pitt nicht verprellen und hat unsern Ryan galant umgangen. 2007 war er für Half Nelson nominiert, zu seinem Leidwesen war dies aber das Jahr, in dem Forest Whitaker Idi Amin ein Gesicht gegeben hat. Seine Niederlage ging daher vollkommen in Ordnung.
Er ist der Jüngste dieser Top 10 und gehört zweifelsfrei zu den Schauspielern, denen die Zukunft gehört. Er blüht in jeder Rolle auf und wusste bislang immer zu überzeugen. Ob als jüdischer Antisemit in Inside a Skinhead, als depressiver Hellseher in Stay, als gerechtigkeitsliebender Staatsanwalt in das perfekte Verbechen, oder in seiner bislang absurdesten Rolle in Lars und die Frauen. Er kann das Publikum auf seine Seite ziehen und beweist eine Wandlungsfähigkeit, die seinsgleichen sucht. Wenn er seine Rollen auch in den Folgejahren so gut aussucht, dann ist ein Oscar nicht mehr weit.
2. Johnny Depp
Ich könnte jetzt all seine legendären Rollen aufzählen, aber das würde ein langer Text werden. Der männliche Helena Bonham Carter hat bislang drei Nominierungen für den höchsten Filmpreis Hollywoods erhalten, sie aber nie zu einem Gewinn ummünzen können. Im Wege standen ihm dabei Sean Penn, Jamie Foxx und Daniel Day-Lewis. Wenn es nach mir ginge, hätte er 2004 den Ex-Lover von Brigitte Nielsen hinter sich gelassen und Fluch der Karibik hätte demzufolge über Mystic River triumphiert.
Und dass er nicht nur der Typ ist, der für Tim Burton abgefahrene Figuren spielt, hat er bereits Anfang des Jahrtausends in Chocolat und Blow bewiesen. Deswegen kann es für den 48-jährigen, wenn er weiterhin so ein Filmpensum an den Tag legt, irgendwann nur eine Belohnung für seine Mühen geben. Und das wird der wohlverdiente Oscar sein. Dass er diesen nicht für einen fünften oder sechsten Auftritt bei Pirates of the Caribbean bekommt, sollte ihm aber auch klar sein.
1. Leonardo DiCaprio
Wer meine Kritiken auf Milw.org verfolgt, der weiß, dass ich Leo für den fähigsten Schauspieler meiner Zeit halte. Auch wenn ich ihn bei Erscheinen von Titanic noch nicht gemocht habe, aber da war ich keine 10 und in der Blüte meines Neides.
Warum dieser Mann bislang nicht die Oscarwürde erhalten hat, kann man leider erkären. 1994 hatte er gegen Tommy Lee Jones das Nachsehen. Okay, da war er noch jung und keiner kannte ihn. 2005 landete Jamie Foxx vor ihm, nungut, Jamie ist ein guter Schauspieler und hat mit Ray Charles eine 1A Oscarrolle bekommen. Und 2007 durfte er mit Ryan Gosling zusammen Forest Whitaker bei dessen Dankesrede zuschauen. Tja, mal wieder im falschen Jahr nominiert worden.
Dass er weder für Shutter Island, noch für the Departed auf der Nominiertenliste auftauchte, war hingegen hart, und dass er in diesem Jahr für J. Edgar ebenfalls nicht nominiert wurde, gleicht einem Affront, der mir, mitsamt den anderen 9 Leuten dieser Liste, zeigt, dass die Oscars nicht so repräsentativ sein können, wie sie behaupten. Viel wichtiger scheint es mir, bei den Zuschauern einen guten Eindruck zu hinterlassen und diese unterhalten zu können. Und sobald die Academy das erkennt, heißt es auch bald And the Oscar goes to: Leonardo DiCaprio










