Oder auch Twists im Fachjargon genannt, wussten und wissen das Publikum stets zu begeistern. Dabei darf man einige etablierte Tricks der Drehbuchautoren unterscheiden. Die einen liefern eine übernatürliche Erklärung, die anderen eine psychologische, wieder andere argumentieren mit verschiedenen Zeitebenen, Träumen, Msytik, so plumpen Auflösungen, dass man daran nicht glauben wollte, oder man überlässt dem Zuschauer die ganze Arbeit und lässt diesen im Unklaren, wenn es um ein eindeutiges Ende geht.
Wie die Sache auch ausgehen mag, und ob der Twist am Anfang, am Ende, in der Mitte, über den ganzen Film verteilt, oder nur andeutungsweise auftaucht, liegt es am Zusehenden selbst, wie dieser ihn bewertet. Manchmal kann man die Lunte bereits von weitem riechen, ein andermal versteht man selbst nach dem Abspann nicht, wie man das Gesehene zu bewerten hat, bzw. ob es überhaupt wert ist darüber nachzudenken, oder ob der Autor nur einen billigen Bluff ans Ende gestzt hat, um Diskussionen zu provozieren.
Mittlerweile gibt es massenhaft Filmmaterial mit Plottwists, von jedem zweiten Horrorfilm, bis zu Komödien, à la Klick, weswegen ich mich dafür entschieden habe, nicht einfach nur zehn gut funktionierende Storykehren aufzulisten, sondern am Anfang beispielhaft zu arbeiten, um mich dann den Vertretern zu widmen, die mit mehr als nur einer Überraschung aufzuwarten wissen.
Wie gestern, sei auch hier vorgewarnt, dass ich zwar keine absoluten Spoiler aufliste, aber man kann zurecht argumentieren, dass die blose Erwähnung einer Kehrtwende, den möglichen Sehgenuss in der Zukunft zu beeinträchtigen vermag.
Ich lege es nicht auf Vollständigkeit an, hoffe aber, dass für jeden ein Schmankerl dabei ist, das er noch nicht gesehen hat. Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren.
Steht für Filme mit Schlusspointe, die nach dem ersten Ansehen stark an Reiz verlieren.
Man sitzt/liegt da und genießt alles von Anfang bis Ende, erwartet möglicherweise nichtmal aus den Socken gehoben zu werden, und dann schlägt der Film zu. Urplötzlich wird eine Auflösung an den Tag gelegt, die einen alle Szenen, die man vorher gesehen hat, in einem anderen Licht durch das Gedächtnis fahren lassen. Leider bekommen nur Alzheimerpatienten die Chance das Gesamtpaket ein zweites Mal zu genießen, denn der Film ist darauf ausgelegt mit seinem Gag am Ende aufzufallen und sich ein Wort in der Nachwelt zu verschaffen. Wer das Ende verraten bekommt, darf sich berechtigterweise grämen, denn die Chance diese Worte zu vergessen sind verschwindend gering. Weitere Beispiele sind:
Psycho (und andere Hitchcocks), Oldboy, 12 Monkeys, Silent Hill, the Machinist, wenn die Gondeln Trauer tragen, Source Code, Saw I, Sixth Sense, Planet der Affen (1968), Nummer 23, Dämonisch, Haute Tension, Identität, uvm., wobei die ersten sieben Listenpunkte dieser Aufzählung, trotz Vorkenntnis, gut genossen werden können.
Steht für Filme mit Schlusspointen, die sich beim zweiten Ansehen anderweitig Reiz verschaffen
Dies kann natürlich auch für die gelten, die unter Punkt 10 aufgelistet sind, aber bei a Beautiful Mind im Besonderen und sowohl bei Fight Club, als auch bei Irréversible, kann man bei einem wiederholten DVD-Abend viele Kleinigkeiten entdecken, die einem vorher verborgen blieben, weil man nicht wusste, worauf das ganze hinausläuft. So gibt es viele Szenen, die schon auf das Ende hindeuten, denen man aber keine Beachtung geschenkt hat. Dies gilt vor allem bei den beiden Erstgenannten.
Gaspar Noés Klassiker, dessen “Ende” leichtfertig in nahezu jeder Kritik verraten wird, kann natürlich nur zweimal flashen, wenn man beim ersten Ansehen gar nichts weiß – und es schafft, bis zum bitteren “Ende” dabeizubleiben.
Wer a Beautiful Mind kennt, der achte z.B auf…ich verrate nichts, aber es gibt einen Grund, warum er die Kategorie anführt. Da merkt man erstmal, wie unaufmerksam man als Zuschauer dem Geschehen folgt und an der Nase herumgeführt wird. Fight Club hingegen, gehört zu den Filmen, bei denen man über Jahre hinweg neues entdecken kann, was nicht nur mit dem Schluss zusammenhängt.
Steht für Filme mit unerwartetem Genrewechsel
Zumindest in der Theorie, denn in vielen Trailern kann man den Twist schon bestaunen. Was das soll, weiß nur das Produktionsstudio, aber sofern man davon nichts weiß, ist es recht überraschend, welche Wende die Geschichte urplötzlich nimmt. In dieser Kategorie ist es schwerer, geeignete Vertreter zu finden, vor allem weil Genrewechsler nicht immer gut beim Publikum ankommen. Eine Ausnahme davon, ist u.a. Kultfilm From Dusk till Dawn, dessen Wendung aber leider auch vom Vertrieb verraten wurde, um ein geeignetes Publikum anzulocken. Schade. Ebenso kann man Sunshine in diese vorgegebene Richtung bugsieren. Einen ganz anderen Umbruch vollzieht the Village, dessen Trailer und Anfang einen Horrorfilm versprechen, der weitere Verlauf, aber…das ist eine andere Geschichte.
Diese Kategorie zeigt sehr stark, dass es oft von Vorteil ist, sich keinen Trailer anzuschauen und möglichst wenig über den Film zu wissen. In der Praxis gestaltet sich das schwer, da die Vermarktung auf Geld abzielt und sich die Werbung für das Endprodukt so hinbastelt, wie die Produzenten es gerne gehabt hätten. Deswegen: keinen Trailer zu Drive begutachten!
Weiß heutzutage jeder, aber ich möchte betonen, dass bei Erscheinen von Star Wars V wohl kein Mensch von Verstand an den Twist gedacht hat, der hier praktiziert wird. Der Hauptgrund, wieso ich mit Nachdruck dafür plädiere, dass man die sechs Filme in der ursprünglichen, chronologischen Reihenfolge seinen Kindern zeigt und nicht in der, die der eventuell naheliegenden Zählweise 1-6 folgt. Dann gibt es nicht nur den doppelten Twist schlechthin zu bestaunen, sondern, wenn man sich nicht zu viele Gedanken macht, bekommt auch noch in Teil II die Überraschung vorgesetzt, wer sich denn zum Oberbösewicht mausert.
Ich wäre damals gerne im Kino gewesen, um einer der Ersten zu sein, die mit weit aufgerissenem Mund aus der Vorstellung gekommen sind. Allein durch das berühmt gewordene Zitat ist dies heutzutage nicht mehr möglich, daran werden auch die 3D Neuaufführungen nichts ändern. Ein Paradebeispiel dafür, wie man die Wendung erst überhaupt nicht setzt, um sie fruchtbar in der Fortsetzung unterzubringen.
Ist es eine Komödie? Ist es ein Thriller? Ist es eine Romanze? Von allem ein bisschen und von überraschenden Pointen noch eine Vielzahl mehr. Hier weiß man wirklich zu keiner Zeit, wem man vertrauen kann und wohin die Geschichte letztendlich laufen wird – Bis zum unvorhersehbaren Schluss, bei dem man vielleicht die ein oder andere Auflösung erahnen konnte, aber bei dem jeder nochmal einen Twist finden wird, der zu überrumpeln weiß. Strengstens zu empfehlen, wenn man sich gerne an der Nase herumführen lässt, während des ganzen Filmes am liebsten von einer Kehre in die nächste geworfen wird, aber eine logische und unterhaltsame Auflösung nicht missen möchte.
Der Film ist das, was man neuerdings als Mindfuck bezeichnet. Der Twist, der hier zu sehen ist, dürfte jeden umhauen, da man weder davor, noch danach weiß, was das alles zu bedeuten hat. Regisseur Lynch hat eine Liste mit Herangehensweisen an diesen Film veröffentlicht, aber schlauer wird man dadurch nicht. Im Prinzip könnte man sagen, dass der komplette Film eine überraschende Wendung darstellt, aber genauso könnte man behaupten, der Film habe überhaupt keine Wendung. Klingt kompliziert und ist es in der filmischen Realität noch tausendmal mehr. Wer auf verwirendes Filmgut steht, der ist hier vollkommen an der richtigen Stelle.
Bei manchen Szenen fragt man sich, ob uns der Verantwortliche seinen Henrystutzen über die Rübe ziehen, oder schlichtweg Kunst erschaffen wollte. Im Gegensatz zu abgefahrenen, kreativen Experimenten, kann man hier aber durchweg einen Film, im herkömmlichen Sinn, erkennen. Am ehesten, was ihm jedoch nicht wirklich nahe kommt, würde ich ihn mit Black Swan aus der jüngeren Kinogeschichte vergleichen. Diesen könnte man auch unter dem folgenden Punkt integrieren.
Ein Film, zwei Interpretationen, wenn nicht mehr. Stets schwankend zwischen zwei filmischen Realitäten, die bis zum Ende nicht aufgelöst werden. Und beim ersten Ansehen so verwirrend, dass ein mehrfacher Filmgenuss obligatorisch erscheint. Irgendwann weiß man, in welcher Ebene welche Begebenheit stattfinden soll, aber im Endeffekt könnte man es sich auch auf eine ganz andere Weise schönreden. Weiteres perfektes Beispiel hierfür, stellt Open your Eyes dar, oder Vanilla Sky wie das zugehörige amerikanische Remake betitelt wurde.
Als drittes gesellt sich the Game zu den Filmen mit doppelter Realität. Dieser nimmt aber eine kleine Ausnahmestellung ein, da es einen erklärenden Schluss gibt. Alle hochgradig empfehlenswert und für Diskussionen offen. Auf Grund der Besonderheit mit den zwei möglichen Annäherungen ergeben sich im Verlauf ständig überraschende Wendungen.
3. Mord mit kleinen Fehlern (OT: Sleuth)
1972 kam dieser Film in die Kinos. Alles weitere, was ich jetzt verrate, könnte den Augenschmaus nachträglich ins negative verändern, weswegen ich ein wenig um den heißen Brei herumschreibe. 2007 kam ein Remake unter dem Namen 1 Mord für 2 auf den Markt. Ich rate aber dringend dazu das Original vorzuziehen. Wer noch nie etwas von diesem Werk gehört hat, der sollte sich keine weiteren Informationen einholen, über die ersten 5-10 Minuten hinwegsehen, in denen man nicht weiß, wohin das alles läuft, und dann einfach zurücklehnen und genießen. Was hier geboten wird, steht nicht ohne Grund auf dem dritten Platz, so viel kann ich versprechen. Ich wiederhole nochmal, um das Layout einigermaßen gleichmäßig zu halten:
Tut euch selbst den Gefallen und bringt nichts weiter über diesen Film in Erfahrung. Anschauen.
Hier könnte ich widerum schreiben, was ich will, denn das Dargebotene hat so unzählige Wendungen, dass ich allein dafür eine halbe Seite zum Beschreiben bräuchte. Hier wird selbst im Abspann noch für mehrere Überraschungen gesorgt und alles vorige über den Haufen geworfen. Wer die Möglichkeit hat, der krallt sich die US-DVD, die bietet, im Gegensatz zur deutschen, nochmal ein paar Twists mehr. Wobei man in 108 Minuten nicht noch mehr Umwälzungen einbauen kann. Hier wird das Prinzip des Storytwists auf die Spitze getrieben.
Wen das nicht überzeugt, dem sei gesagt, dass Bill Murray mitspielt. Und Kevin Bacon, wobei der überall dabei ist. Wenn es allein nach der Anzahl der überraschenden Wendungen geht, dann ist das hier der Film eurer Wahl.
Eine Videospielreihe auf Platz 1 dieser Top 10? Welch überraschende Wendung.
Wer die vier Teile kennt und durchgespielt hat, weiß aber, dass dies unausweichlich ist. In jedem Nachfolgeteil wird das, was im Spiel davor als Erkenntnis herausgekommen ist, völlig erschüttert und ins Gegenteil verkehrt. Alle zusammen haben vermutlich mehr überraschende Momente und Wendungen, als die zuvor genannten Filme addiert. Und das ist keine Übertreibung.
Außerdem bieten die Spiele so viele Zwischensequenzen, dass sie nahezu als Filme mit Spielelementen durchgehen. Allein in den letzten zwei Stunden von Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots wird einem soviel um die Ohren gehauen, dass man sich fragt, wie es möglich ist, auf diese Geschichte gekommen zu sein. Der Spieler wird einerseits veräppelt, andererseits fügt sich alles befriedigend zusammen. Ich kann es nicht in Worte fassen, was man storytechnisch erlebt, aber an dieses Level kommt bislang kein Film ran. Selbst eine Verfilmung des Stoffes wird hieran nichts ändern können.
Das ist ganz großes Kino und verdientermaßen auf Platz 1.








