Filme mit bemerkenswertem Ende

Wenn ich etwas aus meinem Gefängnisaufenthalt gelernt habe, sind es folgende drei Punkte:

    1. Vorbeugen ist nicht immer die beste Methode zur Prävention
    2. Betone nie, dass du von der Isle of Men stammst; Das kann leicht missverstanden werden
    3. Je länger man einsitzt, desto schöner wird das Ende

Wobei ich die dritte Behauptung nicht bekräftigen kann, sie mir aber als Überleitung unabdingbar ist. So trifft das Behauptete auf Filme nicht unbedingt zu. Bei einigen Vertretern wäre man froh das Ende würde nach 12 Minuten schon über die Leinwand flimmern, bei anderen wiederum kann man sich auch nach vier Stunden super extended special unrated directors cut nicht sattsehen. Doch egal wie lang so ein Film nun ist, das Ende kann über seine gesamte Wahrnehmung entscheiden. Dies ist, sofern wir nicht entnervt vorher einschlafen, das letzte was wir zu Gesicht bekommen und unseren Gesamteindruck unterstützt, oder ins Gegenteil verkehrt.

Vor allen Dingen bei Horrorfilmen ist es oftmals der Fall, dass nach überraschend spannendem Beginn und einem, diese Spannung fortführenden, Hauptteil eine unbefriedigende Auflösung das Gesamtbild unnötigerweise schmälert. Als Beispiel dienen hierbei the Orphan und Jeepers Creepers, die Liste kann uneingeschränkt von jedem ergänzt werden.

Doch auch das Gegenteil ist keine Seltenheit, wenn es auch schon schwerer für mich ist, ein Beispiel für einen mittelmäßigen Streifen zu finden, der erst durch seinen Abgang den wahren Geschmack erreicht. Schwer besonders deswegen, weil man durch ein gutes, überraschendes Ende einen verklärten Blick auf das ganze Konstrukt wirft. Oder weil man vor dem Ende schon weggezappt hat. Deswegen nur ein Beispiel zu einem passablen Film, dessen Ende mich aber sehr beeindruckt hat: Unbreakable von dem Regisseur, den keiner aussprechen kann, und mit the Sixth Sense bewiesen hat, dass er auch anders kann.

Letztgenannter Film ist auch der Grund, wieso es zwei Top 10 Listen geben wird. Die eine heute, Filme mit bemerkenswertem Ende, die andere morgen, Filme mit überraschenden Wendungen. Auch am heutigen Tag werden unter Umständen nicht vorhersehbare Schlüsse im Vordergrund stehen, aber vielmehr unter dem Aspekt, dass von Anfang bis Ende alles stimmig ist und die letzten Szenen exemplarisch für ähnlich Gesinnte herhalten müssen, oder, wie die Überschrift schon andeutet, schlichtweg bemerkenswert sind.

Ich versuche mein Bestes auf Spoiler zu verzichten, aber falls man den jeweiligen Film noch nicht gesehen hat und dies nachholen möchte, sollte man die weitere Beschreibung überspringen, um sich eine späteres Anschauen nicht zu verschandeln. Nun viel Spaß und gerne lesen wir in den Kommentaren von weiteren Exemplaren, die ihr bemerkenswert findet.


10. Scream – Schrei

Angelegt als einerseits Hommage an die Slasher der 80er Jahre und andererseits als Parodie der Konventionen, in welche sich diese festgefahren haben, hat er bei vielen selbsternannten Fachleuten vor allem mit seinem überraschendem Ende für Furore gesorgt. Dass dieser Kniff heutzutage keine Blondine mehr hinter dem Coach hervorlockt, daran haben besonders Scream 2 & 4 ihre Hauptschuld zu tragen. Diese schlagen allesamt in die selbe Kerbe. Dennoch war es 1996 eine Besonderheit, die man bis dato nicht kannte und deswegen für einen überraschten Gesichtsausdruck sorgte. Es war natürlich nicht das allererste mal, dass man diese Begebenheit bestaunen durfte, aber sie in diesem Genre und dann noch als Schlusspointe zu verpacken, darauf kam bis dato keiner. Der Grund, warum es zum damaligen Zeitpunkt so gut wie unmöglich war das Ende vorauszusehen.



9. Departed

Wer ihn gesehen hat, der weiß wieso. Denn das was hier passiert, ist zwar logisch, aber das hat man so noch nie erlebt. Da ich das Original Infernal Affairs nicht kenne, hält hier das weitaus bekanntere, und oscargekrönte, Remake die Stellung. Nur zu epfehlen, obwohl/weil man sich durch die letzten Minuten leicht verarscht fühlt. Ich finde es schade, dass die großen Studios sich so eine Ende nur selten trauen, aber wenn ich es nochmal bedenke, hätte es nie eine solche Strahlkraft erlangt, wenn es mehrere Stellvertreter in der Filmgeschichte geben würde. Außerdem ist es die Art von Ende, die beim ersten Mal zwar überraschend ist, aber nicht durch einen Twist, der bei einem weiteren Anschauen langweilig wird, sondern weil es schlicht und ergreifend unfucking fassbar ist. Ähnlich zum folgenden Trio, aber noch mit Humor garniert und nicht so kalt serviert.



8. Night of the Living Dead (1968)

Dieser steht eher exemplarisch an seiner Position, da er, historisch gesehen, einer der ersten Filme mit einem solch dystopischen Ende war. Die beiden, auf die ich eigentlich hinausmöchte, sind Buried und der Nebel, die es gleichermaßen geschafft haben, mich mit einem offenen Mund dastehen zu lassen, ob dem, was sie am Schluss zu bieten haben. Hier wird, ganz Hollywood-Atypisch, dem Zuschauer einiges abverlangt. Während der Nebel sich fast nur durch sein Ende, das sich glücklicherweise von der Stephen King Vorlage abhebt, auszeichnen kann, weiß Buried die vollständige Laufzeit zu begeistern. Man könnte hier auch, mit Wohlwollen, Titanic nennen, aber der gute Leonardo wird – im Gegensatz zu Jack – weiter unten noch früh genug auftauchen. Wer es beklemmend mag und keine Lust mehr auf Kussi, Kussi, Bussi, Bussi hat, der möge sich einen der Genannten aussuchen.



7. Eine Leiche zum Dessert

Hat auch ein überraschendes Ende, ist aber deswegen bemerkenswert, weil es völlig unlogisch ist und nur als Parodie zu den ganzen Kriminalgeschichten dient, die über die Erdoberfläche verteilt, gelesen werden. Was dort wegen dem Zaubertrickeffekt überlesen wird, ist hier so auf die Spitze getrieben worden, dass man sich fragt, wie man die ein oder andere Wendung bei vergleichbaren Konsorten hinnehmen konnte. Ebenfalls auf dieser Schiene befindlich, ist das Schweigen der Hammel, wobei ich Laisen an dieser Stelle grüßen möchte. Bei beiden wird am Ende rausgehauen, was rausgehauen werden konnte und lässt selbst die verschiedenen Auflösungen von Clue alt aussehen. Wer sich mit Enden beschäftigt, darf nicht die wahnwitzige Verballhornung vergessen, die bei diesen Komödien groß geschrieben wird.



6. Butterfly Effect

Einige werden sich begründetermaßen fragen, wieso Butterfly Effect in dieser Liste auftaucht, und dann auch noch auf dem sechsten Platz. Das ist schnell erklärt, denn ich schreibe hier nicht von dem Schluss der Kinofassung, sondern dem, des auf der DVD befindlichen Director´s Cut. Die Vetriebsgesellschaft New Line Cinema hat mit ihrem finanziellen Druck leider dafür gesorgt, dass dieses Ende in keinem Kino zu sehen war und damit nicht nur die Regisseure und die Kritiker, sondern auch die Fans um ein besseres Ende gebracht. Ich bin der Versuchung nahe, es zu verraten, denn es ist einfach zu grandios was hier geboten hätte werden können. Stattdessen sieht man wie die beiden Hauptdarsteller einem Happy End im Sonnenuntergang entgegenreiten. Metaphorisch gesprochen. Wer es nicht kennt, sollte sich schleunigst die DVD besorgen und die wahre Bedeutung von “von der Mutter abnabeln” erfahren.



5. Cube

Was man aus wenig Budget und nur einem Raum doch zaubern kann, aber darum geht es hier nicht. Cube steht für all diejenigen Filme, die, und das muss ich jetzt verraten, nichts verraten. Die den Zuschauer im totalen Trüben fischen lassen und nur wenige Andeutungen machen, um das Gehirn anzuregen. Vielleicht waren die Drehbuchautoren nur zu faul sich etwas zu überlegen und, wenn man sich die beiden Fortsetzungen anschaut, hätten sie das besser auch im Nachhinein gelassen. Dennoch hat man sich selten so allein mit seinen Gedanken gefühlt und nach einer Auflösung geschrien, wie nach diesen anderthalb Stunden. Es war beinnahe unmenschlich so wenig von einer Story zu offenbaren, aber dennoch befriedigend, nicht in eine miserable Auflösung gedrängt zu werden. Warum hat man nicht alle Kopien von Cube 0 vor Erscheinen verbrannt, denn damit wurde das Vermächtnis aus dem Jahre 1997 vollständig zerstört. Ohne diesen Schandfleck aber ein Paradebeispiel für ein offenes Ende.



4. Inception

Dreht er sich weiter? Fällt er um? Aber er trägt seinen Ehering nicht. Und die Kinder haben andere Kleider an. Und…und…und.
Was haben wir nach diesem Ende nicht gerätselt, wie es weitergehen könnte. Und das macht das Ende aus. Es ist dafür ausgelegt zu rätseln. Statt wie bei Cube ohne Andeutungen, mit (mindestens) zwei Alternativen und vielen Andeutungen und Interpretationsmöglichkeiten. Was Regisseur Nolan mit Prestige schon geschafft hat, und kurze Zeit später von Martin Scorsese mit Shutter Island praktiziert wurde, gelingt Inception in seiner Vollendung: Das Entbranden von unzähligen Diskussionen, die bis heute nicht gänzlich geklärt sind. Selten hat ein Ende die Emotionen so hochkochen lassen. Liegt natürlich daran, dass der Rest wahnsinnig gut ist, aber der Kreisel ist schnell zu einem Synonym für die Frage nach Traum oder Realität geworden. Doch, wer sich Franz Kafkas Erzählung der Kreisel zu Gemüte führt, wird erkennen, dass es darum gar nicht geht. Oder etwa doch?



3. Münchhausen (1943)

Einer der ersten deutschen Farbfilme und zur damaligen Zeit bei weitem der teuerste. Das Drehbuch stammt von Erich Kästner und hat demzufolge keine Nazipropaganda auf das Publikum zu übertragen. So viel zu den Details, denn der Grund warum dieser Film hier steht, ist der, dass er der geschichtlich früheste Film ist, den ich gesehen habe, der mit einer überraschenden Wendung zum Ende hin aufwarten kann. Deswegen ist er für mich der Vorreiter für all diejenigen, die in der morgigen Liste auftauchen werden. Leider fehlen selbst bei der neuesten, restaurierten DVD-Fassung 15 Minuten an Material, so dass es fraglich ist, ob wir ihn jemals in seiner vollen Pracht genießen dürfen. Davon abgesehen ist das Ende eine wirkliche Überraschung, die den vorigen Szenen umso mehr Nachdruck verleiht. Wer die Chance hat, sollte sich dieses Stück Filmhistorie nicht entgehen lassen und wer will, kann, vor dem Hintergund des heutigen Wissens, versuchen herauszufinden, was denn nun die überraschende Wendung darstellt. Gleichzeitig steht er auch für alle Happy-Endings, denn es ist das einzig “richtige” in dieser Top 10.



2. Memento

Und nochmal ein Nolan Film. Viele meinen, hier hätten wir das beste Drehbuch, das je geschrieben wurde. Zumindest ist es eines der ungewöhnlichsten, denn der Film besteht aus zwei Handlungssträngen. Einem, der die Geschehnisse von der Mitte vorwärts erzählt, und einem, der die Hintergründe chronologisch rückwärts beleuchtet. So kommt es zustande, und jetzt kommt der Clou, dass der Filmanfang gleichzeitig das Filmende ist. Und im Prinzip erzählen beide den Mittelpunkt der Geschichte. Die wenigsten verstehen beim ersten Mal, wie alles zusammenläuft, aber hier ist ein Film entstanden, der von jedem, der auch nur ansatzweise Filme mag, gesehen werden MUSS. Das Ende ist nicht nur überraschend und wirft alles über den Haufen, sondern ist so fantastisch geschrieben und in den Plot eingewebt, dass man zwangsläufig nur von einem Meisterwerk sprechen kann. Besonders, was das Ende, den Anfang, die Mitte, ach, GUCKT IHN EUCH AN!!!



1. Sieben

Es war fast zu erwarten, dass einer meiner Lieblingsfilme auch mein Lieblingsende haben muss, aber ich kann es glücklicherweise rational erklären. Denn hier dürfen wir ein Ende betrachten, das unumstößlich ist, das nahtlos aus allen Szenen, die davor stattfinden, hervorgebracht wird, das gleichermaßen bedrückend, wie berückend ist und das man sich anders, oder gar besser, nicht hätte vorstellen können. Es passt ein Stein auf den anderen und ohne dieses Ende hätte etwas gefehlt, obwohl es trotzdem noch einer der besten Filme aller Zeiten gewesen wäre. Das Sahnehäubchen geht einem stundenlang nicht mehr aus dem Kopf und zeigt, was man mit Stift und Papier, bzw. Kamera und Drehbuch hinzaubern kann. Es lässt all die davor aufgebaute Spannung entweichen, kreiert dadurch einen Moment der inneren Zerissenheit und lässt einen in dem Gedanken versinken, wie man selbst gehandelt hätte.
Ich möchte es, um selbst ein Ende zu finden, mir leicht machen und nutze ein Zitat:
“Gewiß, es sind immer die Kleinigkeiten, die zur Vollendung führen – und Vollendung, das wirst du mir sicher zugestehen, ist ihrerseits bestimmt keine Kleinigkeit!”

Ei, jetzt habe ich vergessen zu erwähnen, dass man David Fincher in der morgigen Top 10 wiederfinden wird. Nicht so leicht, das mit dem richtigen Ende.

Über Benni

Ein gelernter Arbeitsloser, der für zwei Jahre als Chef-Arbeitsloser bei milw.org scheinbeschäftigt war, um nun wieder in seine alte Profession zurückzukehren. Endlich hat er noch mehr Zeit, um seiner Passion, dem RTL Schauen zu frönen. Außerdem zahlt der impotente Säufer leidenschaftlich Alimente für seine zahlreichen Kuckuckskinder und ist begeisterter Erfinder. Erst letztens entwickelte er ein eigenes Hartz VI - Gesetz, welches Arbeitslosen so viel Gehalt bescheinigt, wie sie in Bier innerhalb eines Monats trinken können. Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir von diesem Mann gelesen haben. Sucht einfach mal im Anzeigenteil eurer Lokalzeitung unter "Wahlarbeitsloser Nichtduscher sucht neureiche, tatkräftige Businesslady als sexuell interessierte Haushälterin auf ohne Gehalt Basis"