Ein Erfahrungsbericht
Es war 2:30 Uhr nachts. Ein junger Mann, der um diese Zeit normalerweise müde im Bett liegt, saß auf einem roten Sitz in einem dunklen Kinosaal. Auf der Leinwand blitzte der Schriftzug “The Dark Knight Rises” auf. Schluss. Nicht nur ein Film, eine ganze Trilogie nahm soeben ein Ende. Während die anderen Zuschauer gemächlich aus dem Saal schritten, blieb unser stummer Beobachter still sitzen. Er wusste, dass nach dem Abspann nichts kommen würde, doch er vermochte es nicht aufzustehen. Sein Blick richtete sich immer noch wie gebannt auf das Licht vor seinen Augen. So sieht ein Mann aus, der den Moment genießt. Den Moment der völligen Zufriedenheit. Ich bin dieser Mann.
Ich weiß gar nicht mehr wann ich zum ersten Mal Batman Begins gesehen habe, aber ein Blick in meinen Schrank verrät mir, dass ich ihn bis zum heutigen Tag nicht auf DVD gekauft habe. Es ist unbestreitbar ein guter Film. Für einen Film mit Batman in der Hauptrolle sogar ein sehr guter. Aber mir persönlich fehlt etwas. Das ist zum Einen ein übermächtiger Gegenspieler. Jemand, der Batman an seine Grenzen bringt, ihn nicht nur heraus-, sondern richtig fodert. Das vermögen für mich weder Ra’s al Ghul noch Scarecrow. Und es fehlte mir ein Ende. Kein richtiges Ende mit Batmans Tod, oder mit der Erlösung Gothams, aber ein in sich geschlossenes Ende, wie es Christopher und Jonathan Nolan bei Memento und Prestige so wunderbar hinbekommen haben. In dem Fall wird es wohl 2007 gewesen sein, dass ich Batman Begins gesehen habe.
2008 bekam ich dann mit The Dark Knight einen Wunsch erfüllt. Hier sehen wir einen Gegenspieler, wie ihn die Filmgeschichte selten gesehen hat. Heath Ledger ist der Joker ist das verrückte Genie, der Herrscher über das Chaos, der Batman dessen psychische Grenzen aufzeigt. Ihn vor Entscheidungen stellt, die endlich ihre Auswirkungen haben. Er kann nicht alle retten. Und erst recht nicht sich selbst, wenn er Gotham, seine Heimatstadt, beschützen will. Und dazu bietet der Film eine der besten Anfangsszenen, die ich je gesehen habe. Und den Zaubertrick. Und das Schiffsdilemma. Und die Erklärungen für Jokers Narben. Kurzum: Erinnerungswürdige Szenen, die man so schnell nicht vergisst. Genug also, dass ich ihn mir sofort bei Erscheinen für mein Heimkino zugelegt habe. Doch auch hier schleichte sich ein Gefühl ein, dass irgendetwas fehlt. Erneut wurde mir ein Ende im herkömmlichen Sinn verwehrt. Es ist vielmehr ein weiterer Wendepunkt im Leben Batmans und in der Geschichte um Gotham. Doch es ist noch nicht vorbei.
Weitere vier Jahre und mit Inception ein weiterer Meilenstein der Filmgeschichte später, bekam ich endlich, wonach ich mich sehnte. Ein Ende. Und plötzlich sehe ich die beiden anderen Werke in einem ganz anderen Kontext. Es ist nicht nur eine Trilogie, es ist eine Einheit – ein Dreiakter. Batman Begins ist die Exposition, die Vorstellung der beiden Figuren Bruce Wayne und Gotham. Dazu gibt es ganz klassisch ein inneres Problem mit den Rachegelüsten von Wayne und ein äußeres Problem mit der Gesetzlosigkeit Gothams. The Dark Knight ist der zweite Akt mit dem Wendepunkt, dass Wayne erkennt, dass er Mitschuld trägt an der Misere Gothams und dass das Böse in Person des Jokers auftaucht. Und schließlich haben wir den dritten und damit den letzten Akt: The Dark Knight Rises
Handlung
8 Jahre sind seit den Ereignissen von The Dark Knight vergangen und Bruce Wayne hat sich seitdem in seiner Hütte verschanzt. Auch Batman bekam man nicht mehr zu Gesicht, nachdem er den Mord an Harvey Dent für ein besseres Wohl auf sich genommen hat. Ob es zusammenhängt, dass sowohl Wayne als auch Batman verschwunden sind?
Die Abwesenheit Batmans lockt mit einem gewissen Bane mal wieder einen Superschurken in die Stadt. Dieser hat sich einen perfiden Plan ausgedacht, um die Einwohner Gothams gegeneinander auszuspielen. In der Stadt selbst erheben sich tapfere Bürger, um gegen ihren Untergang zu kämpfen. Zeitgleich versucht eine meisterhafte, katzengleiche Diebin ihre Vergangenheit zu löschen und muss deswegen mit Bane einen Deal eingehen. Batman kann diese Dinge nicht einfach geschehen lassen und kehrt aus dem Ruhestand zurück. Doch zum ersten Mal hat er einen Gegenspieler, der ihm körperlich überlegen ist.
Es gestaltet sich schwer die Handlung in wenigen Worten wiederzugeben, da recht viel in den 164 Minuten abgespult wird. Der übergeordente Plot besteht aus dem Abschluss der Wayne/Gotham Geschichte. Die Stadt selbst muss ihrer bisher größten Bedrohung entgegenblicken und Wayne hat die endgültige Wahl, ob er sein Privatleben rettet, oder als Batman die Menschen, die ihn zum Großteil verfluchen, vor der Katastrophe bewahrt. Das war es zur Geschichte in dieser ansonsten spoilerfreien Kritik.
Filmbeschreibung
Wenn man etwas an The Dark Knight Rises kritisieren möchte, dann sind das zwei Punkte. Dass Nolan sich nicht von (guten?) Ideen trennen kann, und dass die Figur des Bane durch seine Maske in der filmischen Variante arg abgeschwächt wurde, was Bedrohlichkeit und Charaktertiefe betrifft. Besonders wenn man bedenkt, dass man mit Tom Hardy (Bronson, the Warrior) einen grandiosen Schauspieler für diese Rolle gewinnen konnte. In den Comics fällt das durch die Standbilder nicht arg ins Gewicht, aber bei 24-25 Bildern pro Sekunde muss ich leider sagen, dass hier Potential verschenkt wurde. Vor dem Hintergrund, dass bei V wie Vendetta oder Halloween 1 eine Maske kein Manko darstellte, lässt sich wiederum argumentieren, dass diese Wahrnehmung von Bane eventuell gewollt war, besonders wenn man bedenkt, dass man ihn zumeist aus einer Perspektive von schräg unten zu Gesicht bekommt – was ihn wie das gesichtslose, übermächtige Böse wirken lässt. Wer eine solche Performance wie die von Heath Ledger erwartet, könnte demzufolge enttäuscht werden. Es sei gesagt, dass es eine andere Situation ist und der Joker in diesem Film nicht funktionieren würde. Es braucht einen physisch überlegenen Gegenspieler, der eine übergeordnete Motivation hat und nicht nur aus Lust und Laune heraus handelt, um die bei Batman Begins gestartete Geschichte zum Abschluss zu bringen.
Der zweite Punkt darf ebenfalls kritisiert werden, denn Nolan packt seinen Film voll mit Nebenfiguren und zeitgeistlichen Anspielungen, sowie philosophischen Fragen rund um Hoffnung, Heldentum und die Gesellschaft an sich. Manchen Zuschauern mag das zu viel sein, besonders wenn man nur Actionspektakel erwartet, das alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. Dennoch sei gesagt, dass alle Figuren ihren Platz im Gefüge haben und entweder Bruce Wayne in seiner persönlichen Entwicklung voranhelfen, oder der Stadt Gotham einen Platz zum Reifen geben. Alles wird der Geschichte untergeordnet. Wenn man eine der größeren Rollen weglassen würde, dann müsste man die Geschichte umschreiben, damit die charakterliche Entwicklung trotzdem ihren Weg gehen würde. Und auch die Anspielungen finden ihren Weg nicht nur zwecks eines sozialkritischen Untertons, sondern sind in den Plot eingewebt. Sieht man mal von ein paar lustigen Onelinern ab.
Die Dialoge selbst sind stets mit einer gewissen Bedeutung versehen und daher sollte ihnen große Beachtung geschenkt werden. Manchen mag das stören, aber ich finde, dass man ihnen auch gut lauschen kann, wenn man sie nicht entschlüsseln möchte. Entgegen z.B. Cosmopolis, wo es einzig und allein um die Mehrdeutung der Gespräche geht. Dazu ist der dritte Teil der wohl lustigste Batman dieses Jahrtausends, was ihn zwar noch lange nicht zu einer Komödie macht, aber trockener Humor oder amüsante Kommentare finden nun vermehrt ihren Einzug.
Zusammen mit den Dialogen muss ich auch die Hintergrundmusik von Hans Zimmer loben, die genau weiß, wann sie im Hintergrund bleiben muss und – was noch wichtiger ist – wann sie komplett ausbleiben kann, um den Zuschauer in den Bann des Geschehens zu ziehen.
Auch die Schauspieler machen ihre Arbeit wirklich hervorragend, selbst Anne Hathaway passt vorzüglich zu ihrer Rolle, was ich ihr gar nicht zugetraut hätte. Besonderes Prunkstück sind Joseph Gordon-Levitt als Polizist und Michael Caine als Alfred, der sich hoffentlich noch viele Jahre einer erblühenden Gesundheit erfreuen darf, um uns in noch mehr Schauspielen zu begeistern. Zweiterer ist für die emotionalen Momente zuständig und trägt maßgeblich zum Reifeprozess unseres Helden bei. Von diesem sieht man ungewöhnlich wenig, besonders wenn man bei einem Batmanfilm viel Batman erwartet. Dazu hat Nolan seinen Fokus stark auf die Stadt Gotham und ihre sozialen Strukturen gerichtet. Diese sind allerdings sehr wichtig für die Geschichte, die uns in den drei Teilen erzählt wird. Denn wie oben bereits geschrieben, sind Batman und Gotham stark miteinander verbunden.
Woran The Dark Knight Rises folglich scheitern könnte, ist die Erwartungshaltung des Publikums. Er ist keine Steigerung von The Dark Knight, es ist dessen Fortführung und der Abschluss der Trilogie. Und wie das Ende den Handlungsboden vom ersten bis zum dritten Teil abschließt, möchte ich als hervorrgend bezeichnen. Weswegen ich erstmal sitzen bleiben musste.
Bennis Fazit
Es mag eventuell gewisse Brüche in der inneren Logik geben, die mir allerdings beim ersten Mal ansehen nicht aufgefallen sind. Dazu hat mir das Gesehene viel zu gut gefallen. Anfangs saß ich noch da und habe auf die Schnittfolge geachtet, aber es dauerte nicht lange und ich war gefangen im Kosmos, der in den drei Batmanfilmen präsentiert wird. Die Musik, die Handlung, die Charaktere, die (meist) handgemachte Action und das geniale Ende haben mich in ihren Bann gezogen und nicht mehr entlassen. Ich habe mir vorgestellt, was ich für einen Abschluss wählen würde, aber der von Nolan gefällt mir noch wesentlich besser. Überhaupt gefällt mir an diesem Regisseur so sehr, dass er weiß, dass sein Film für ein Publikum gemacht ist. Ein Publikum, das weiß wie andere Filme aussehen. Als ich mich fragte, wieso das nicht längst geflutet wurde, hat dasselbe eine Figur im Film gefragt. Als ich überlegte, wieso der nicht einfach umgebracht wird, hat das eine Figur im Film erklärt. Und als ich befürchtete das Ende läuft auf das hinaus, war mir auch hier der Film einen Schritt voraus. Und dafür bin ich dankbar. Es mag, wie gesagt, durchaus sein, dass ein zweites Anschauen mehrere Details offenbart, die mich bislang nicht gestört haben, aber der erste Besuch war mein bester erster Besuch dieses Kinojahres.
Ich mag die ausgearbeiteten Dialoge. Ich mag, dass es mehr ein Actionthriller mit dramatischen Elementen als ein Actionfilm mit humoristischen Elementen ist. Ich mag, dass er an entscheidenden Stellen von den Comics abweicht, um ein Film zu sein, der auf Comics basiert und keine Comicverfilmung. Ich mag, dass die Trilogie ein Ganzes ist und keine drei Drittel. Ich mag, dass sich nicht alles auf Batman konzentriert. Ja, ich mag ihn momentan sogar mehr als The Dark Knight – Allerdings werde ich mir beide nochmal genau ansehen.
Zugegeben, er hat nicht diese erinnerungswürdigen Momente – obwohl der Anblick des Batbike/pods, bzw. dessen was darauf sitzt, durchaus als Poster erscheinen darf – und auch nicht den alles überlagernden Gegenspieler, aber er hat etwas, was den beiden anderen Teilen fehlte: Ein Schluss
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“I open at the close”



