Merida

Legende der Highlands

Hallo, ich heiße Benni und ich habe ein Faible für natürliche Rotschöpfe. – (im Chor) Hallo Benni. – Es fing früh in meiner belesenen Kindheit an, als ich noch ein kleiner Steppke war, dass ich diese Vorliebe entwickelte. Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf war so etwas wie meine erste große Liebe und ich stellte mir oft vor, dass wir und Herr Nilsson gemeinsam auf ihrem Pferd in Richtung Südseeinsel ihres Vaters reiten. Hinter uns die strahlende Morgenröte, die ihr leuchtendes Haar umschmeichelt. Doch leider kam es nie dazu, und ich musste mich damit abfinden, dass Schweden viel zu weit weg war, um meiner Angebeteten einen Besuch abzustatten.
Traurig stürzte ich mich in das nächste Buch, um mich auf andere Gedanken zu bringen. Die rote Zora erweckte meine Aufmerksamkeit und wiedermal entflammte meine Sehnsucht nach der rötlichen Haarpracht, nach einer starken, weiblichen Heldin, die für mich leckeren Fisch kochen sollte. Doch Branko, dieser Fiesling, hatte seine schmutzigen Finger im Spiel und ich musste mich erneut geschlagen geben, worauf ich den rothaarigen Mädels ein für alle Mal meine Zuneigung entzog. Und meine ausgewählte Literatur machte es mir leicht, obwohl so ein Sams durchaus seine Vorteile hätte. Doch dann stieß ich zufällig auf einen Mann, der meine Leidenschaft teilte und, ebenso wie ich, nicht mit der Zurückweisung klarkam. Jean-Baptiste Grenouille zeigte mir nachhaltig wie man mit Frauen umzugehen hat und wie man ihre Schönheit einfangen kann, ohne sich etwas einzufangen. Ja, durch ihn bin ich zu dem geworden, was ich heute bin. Und deswegen bin ich heute hier, in der Selbsthilfegruppe für hoffnungslose Stalker. – Danke Benni, es war sehr mutig von dir das zu erzählen. Du darfst dich wieder setzen.


Handlung

Es war einmal die rothaarige Merida, die Tochter des Königs und seiner Gemahlin, der Königin. Schon als kleines Kind spielte sie lieber mit Pfeil und Bogen als mit Puppen und als der Tag kam sich einen Prinzen auszusuchen, um den heiligen Bund der Zwangsehe einzugehen, sperrte sie sich dagegen und versuchte alles, um dies zu verhindern. Und es sollte ihr auch gelingen. Allerdings hat sie nicht mit den Folgen gerechnet, die ihr Wunsch mit sich brachte. Um nicht zu viel zu verraten, muss ich an dieser Stelle vage bleiben und schließe mit den Worten und wenn sie nicht gestorben ist, dann wallt ihr rotes Haar noch heute.


Filmbeschreibung

Disney/Pixar blieb in den Trailern zu Merida ebenso undeutlich und man konnte nicht erahnen, wohin der Film den Zuschauer führen mag. Und jetzt weiß ich auch wieso. Merida ist ein reinrassiges Märchen und erinnert mehr an alte Disney-Klassiker als an neue Pixar-Produktionen. Warum ich euch das verrate? Nun, es ist für Erwachsene wichtig das zu wissen, ansonsten könnte sich schnell Enttäuschung breit machen, denn einen Märchenfilm hätte man hier nicht erwartet. Da es allerdings nicht lange dauert, bis man sich im Publikum damit arrangieren muss, ist es kein Vergehen dies zu verraten, sondern fast schon meine Pflicht. Darüberhinaus ist Merida auch eine Geschichte über das Erwachsenwerden (Coming-of-Age) und erzählt von Legenden und bietet als Moral die Wahrung der persönlichen Freiheit als größtes Gut.

Dies alles lässt mich ohne große Umschweife das Prädikat Familienfilm zücken, denn Merida ist weniger lustig als seine Pixar-Vorgänger, erzählt eine eher für Kinder interessante Geschichte und schlägt gegen Ende deutlich mit der Moralkeule aus. Ebenso fehlt der fließende Übergang zwischen Tränen und Lachern, den Pixar so hervorragend mit ihren vorigen Filmen umgesetzt hat. Es gibt durchaus Szenen, die auch Erwachsene zum Lachen bringen, amüsanten Slapstick, sowie die Verbindung von Begebenheiten des 21. Jahrhunderts mit der damaligen Zeit, irgendwann Anfang des letzten Jahrtausends. Doch das reicht nicht aus, um den hohen Erwartungen gerecht zu werden, für die Pixar selbst gesorgt hat.
Entgegen der Erzählung selbst, ist die technische Umsetzung das Beste, was man im Bereich Animation bis zum heutigen Tag erleben durfte. Man verliert sich nicht selten in der Welt der schottischen Highlands und glaubt in einem realen mit Kamera gedrehten Film zu stecken. Einzig die Figuren besitzen nicht diesen realistischen Anstrich, was aber keinen Negativpunkt darstellt. Dafür kann man Meridas Haare einzeln zählen und Grashalme beim Umknicken beobachten. Das ist schlichtweg mit nur einem Wort zu beschreiben: Fantastisch.

Insgesamt muss man sich im Klaren sein, dass hier ein Märchenfilm für die ganze Familie entstanden ist, der technisch brilliert, aber erzählerisch mehr für Kinder geeignet ist. Für einen Kinderfilm ist er natürlich spitze, aber im Vergleich zu allen anderen Pixar-Filmen seit der Jahrtausendwende sehe ich ihn nur vor der Cars-Reihe. Es ist Schade, aber man hat in den letzten 12 Jahren gesehen wozu Pixar fähig ist und da kann Merida nicht ganz mithalten. Dennoch betone ich, dass Merida gut bis sehr gut unterhält, besonders wenn man Kinder hat, oder selbst noch eines ist.


Bennis Fazit

Nach Ted auch heute wieder jammern auf hohem Niveau, aber Erwachsenen wird hier einfach zu wenig geboten. Im Vergleich zu die Unglaublichen, Oben, Ratatouille und Wall•E vom Unterhaltungswert ein Rückschritt. Die technische Umsetzung ist das momentane Nonplusultra, aber das reicht für einen rundum gelungenen Film eben nicht aus. Langeweile sollte zwar keine aufkommen, aber volljähriger Kundschaft rate ich, auf eigenen Nachwuchs zu warten. Die Moral lässt die eigene miese Erziehung dann auch vergessen. Disney/Pixar, ihr könnt das besser.
Ein Abschlusssatz zum kurzen Vorfilm:
Bläst in das gleiche Horn. Humor wird der Botschaft, dass jede Generation ihren eigenen Weg gehen sollte, untergeordnet.

Falls ihr ins Kino geht, dann bleibt bis zum Ende des Abspanns sitzen

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Bewerte den Film mit 1-11 Sternen
Rating: 8.5/11 (2 votes cast)
Merida, 8.5 out of 11 based on 2 ratings
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Über Benni

Ein gelernter Arbeitsloser, der für zwei Jahre als Chef-Arbeitsloser bei milw.org scheinbeschäftigt war, um nun wieder in seine alte Profession zurückzukehren. Endlich hat er noch mehr Zeit, um seiner Passion, dem RTL Schauen zu frönen. Außerdem zahlt der impotente Säufer leidenschaftlich Alimente für seine zahlreichen Kuckuckskinder und ist begeisterter Erfinder. Erst letztens entwickelte er ein eigenes Hartz VI - Gesetz, welches Arbeitslosen so viel Gehalt bescheinigt, wie sie in Bier innerhalb eines Monats trinken können. Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir von diesem Mann gelesen haben. Sucht einfach mal im Anzeigenteil eurer Lokalzeitung unter "Wahlarbeitsloser Nichtduscher sucht neureiche, tatkräftige Businesslady als sexuell interessierte Haushälterin auf ohne Gehalt Basis"