señora de la tarta de manzana
Filme über Menschen mit Behinderungen jeglicher Natur fristen, im Vergleich zum prozentualen Aufkommen von Behinderungen in der Bevölkerung, ein Schattendasein. Dies mag daran liegen, dass körperlich oder geistig beeinträchtige Menschen in Schauspielschulen keinen großen Anklang finden. Zu sehr würden sie auf einen Rollentypus festgefahren, der ihre Behinderung thematisiert. Was weder in ihrem Interesse, noch in dem der Leute liegen dürfte, die sich für die Rechte von Behinderten einsetzen. Dennoch gibt es glücklicherweise immer wieder Filme, die mit dem nötigen Respekt, der nötigen Menschlichkeit, und auch mit einer gewissen Note Selbstironie an die Thematik herangehen, um Menschen mit Behinderung als das zu zeigen, was sie letztendlich sind.
Freaks – heißt z.B. einer dieser Filme, die Behinderte als das zeigen, was sie wirklich sind: Menschen. Menschen mit einem Bedüfrnis nach Nähe. Menschen, die sich für andere einsetzen. Menschen, die auch mal genüsslich lästern. Menschen, die homophob sein können. Menschen, die Ausländer mit schiefen Augen ansehen. Menschen, die vor dem Schlafengehen zu Gott beten. Menschen, die gerne RTL 2 schauen. Menschen, die sich nach dem Pinkeln die Hände nicht abwischen. Wobei bei einem Menschen ohne Arme sich natürlich derjenige die Hände waschen sollte, der ihm beim Halten hilft.
The Elephant Man, Einer flog über das Kuckucksnest, Ich bin Sam, Forrest Gump, und dieses Jahr Ziemlich beste Freunde zeigen, dass es durchaus möglich ist, sich in einem bewegenden Stück Filmgeschichte mit Behinderungen auseinanderzusetzen, ohne gleich für einen protestierenden Aufschrei in der Welt zu sorgen. Wahrscheinlich gab es beim letztgenannten nur einen Aufschrei, weil ein Dunkelhäutiger aus dem Ghetto einen Job bekommen hat, oder eine Homosexuelle eine andere Frau küsst. Blind sind diejenigen, die die Augen verschließen, nicht die, die nicht sehen können. Daher finde ich es auch schade, dass das Comedyformat Para Comedy nur einen kurzen Auftritt im TV bekommen hat. Wenn ein Einarmiger und ein spastisch Gelähmter selbstironisch Schnick-Schnack-Schnuck spielen und dabei die Gesichter der umherstehenden Passanten eingefangen wird, ist das besseres und vor allem kein menschenverachtendes Fernsehen, wie uns das z.B. auf RTL geboten wird.
Handlung
In Hasta la vista geht es um drei männliche Jungfrauen aus Belgien, die nach Spanien fahren möchten, um ihr erstes Mal in einem Bordell zu erleben. Dabei gibt es ein großes Problem. Philip ist querschnittsgelähmt (gilt nicht für seinen Schwellkörper), Lars sitzt mit Krebs erkrankt im Rollstuhl und Jozef ist so gut wie blind. Wer soll also den Bus fahren? Nachdem man sich auf Jozef geeinigt hat – selbstverständlich nicht, die drei engagieren einen Fahrer und ab geht die wilde Fahrt, die ihre Freundschaft auf so manche Probe stellt.
Filmbeschreibung
Man sollte bei Hasta la vista keine Sex-Komödie im Stile von American Pie erwarten, denn mit Sexzoten halten sich die belgischen Filmemacher dezent zurück. Wenn komische Momente eingestreut werden, dann ist das zumeist Slapstick, der vom fast blinden Jozef fabriziert wird. Ansonsten wird mit Wortwitz gearbeitet und auch die Niederländer bekommen ein paar Sprüche ab, denn immerhin haben die in Belgien den Stand wie die Holländer in Deutschland. Oder die Türken in Deutschland. Oder die Polen in Deutschland. Oder die Österreicher in Deutschland. Oder die Schweizer in Deutschland. Oder die Franzosen in Deutschland. Oder die Italiener in Deutschland. Oder die Belgier in Deutschland.
Neben den gelegentlich witzigen Momenten, werden vermehrt dramatische Elemente hervorgebracht, die den Zuschauer urplötzlich aus seiner Komfortzone reißen und einen dazu zwingen die Stille im Kinosaal mit dem Satz “Ne, ich hab nur was im Auge” zu durchbrechen. Diese Szenen werden aber nicht zelebriert und minutenlang ausgereizt, sondern eher wie beiläufig eingestreut, um das Publikum auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Und um das Gleichgewicht zwischen Komödie und Drama zu schaffen.
Beachtlich ist, dass es dem Film gelingt, dass der Zuschauer seine Scheu ablegt, ein schlechtes Zeugnis über einen gehandicapten Menschen abzulegen, denn einer der drei verhält sich gegenüber seiner Umwelt wirklich großkotzig und benimmt sich wie ein Arschloch. Doch auch hier reizt der Film die Situation nicht aus, wirft einen Moment der Läuterung ein und schafft es die Figuren ganz unstereotypisch mit Würde und Respekt zu behandeln.
An dieser Stelle müssen die vier Hauptdarsteller gelobt werden, die ihre Figuren glaubwürdig darstellen und zu keinem Moment in die Lächerlichkeit abdriften lassen. Besonders Jozef und der Fahrer sorgen hier für die Momente, die hängenbleiben. Auf das Charme-Niveau von Ziemlich beste Freunde kommt man hier zwar zu keiner Zeit, aber so gut wie jeder Film würde diesen Vergleich verlieren. Durch die Roadmovie Thematik erinnert er eher an Vincent will Meer, der eine ähnliche Geschichte abhandelt. Wer das deutsche Drama für gut befunden hat, der kann auch bei Hasta la vista bedenkenlos zuschlagen.
Das gilt allgemein für Fans von Tragikomödien, die sich selbst nicht für zu anstandsvoll halten, um bei einem Film mit dem Thema Behinderung zu lachen. Trotzdem sei gesagt, dass es abseits der witzigen Szenen viele Momente gibt, die einem zum Nachdenken anregen und auch die Kehrseite des Lebens nicht außen vor lassen.
Negativ zu sehen sind gewisse Längen, in denen nicht viel passiert und mitunter unnötig für das Gesamtkonstrukt sind. Trotzdem bietet der Film 115 Minuten lang gute Unterhaltung und wer bis zum jetzigen Punkt . Lust bekommen hat, der darf gerne zuschlagen.
Bennis Fazit
Ja, er hat gewisse Längen. Ja, 50/50 und Ziemlich beste Freunde haben einen höheren Unterhaltungswert und sind aufwendiger produziert. Ja, es ist heuchlerisch, wenn man Gleichberechtigung propagiert, aber gleichzeitig betont, dass es ein Film über behinderte Menschen ist. Trotzdem fand ich diesen Film überdurchschnittlich unterhaltsam, stehe aber auch auf die Abwechslung der beiden angesprochenen Gefühle. Auf DVD werde ich ihn mir wahrscheinlich nicht kaufen, der Besuch hat sich dennoch gelohnt und es ist schön zu sehen, dass es aus den Benelux-Staaten auch ernstzunehmende Kinofilme nach Deutschland schaffen. Wer die Chance hat ihn zu sichten und gefallen an Tragikomödien findet, der sollte sich nicht scheuen.
Zuletzt noch der Hinweis, dass man sich den Trailer nicht ansehen sollte, da er falsche Signale aussendet. So als würde man einem Mann wie Chris Kyle Ehrenmedaillen verabreichen. Aber wer würde denn sowas tun?
Behindert ist, wer sich nicht helfen lässt, denn alleine behindert man sich selbst.


