Lebensende mit drei Buchstaben
Du sollst einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und einen Sohn zeugen. Von der Ehe kann ich da nichts lesen. Und dennoch stürzen sich Tag für Tag wieder einige Menschen, am 12.12.2012 einige mehr, in eine vor dem Gesetz und für manche auch vor Gott geltende Lebensgemeinschaft, deren Basis im besten Fall aus Liebe besteht. Doch was drängt die Menschen in der heutigen Zeit dazu in den Bund der Ehe einzutreten? In einer Zeit, in der allein letztes Jahr 1,1% aller bestehenden Ehen geschieden wurden. Und das nach im Schnitt 14 Jahren des engeren Kennenlernens. Ist es etwa die historische Anmut, der beiwohnende Glanz und der erhoffte Prunk, oder sind es am Ende doch nur die steuerlichen Vorteile, die zwei Menschen dazu bewegen sich vor einen Staatsbediensteten zu stellen und die 3 Worte zu sprechen, die man im Kindesalter bereits auf die Frage antwortete, ob man zu McDonalds will.
Egal was es ist, heutzutage bleiben nicht einmal die homosexuellen Mitbürger von der Ehe verschont. Nein, auch sie müssen sich gegenseitig schwören sowohl in guten, als auch in Zeiten, in denen man sich sieht, zueinander zu halten. Bis, dass sie eines Tages keinen Bock mehr haben und die Scheidung einreichen. Man kann sich nicht dagegen wehren. Es gibt so viele Vorbilder in der medialen Welt. Sänger, die extra nach Las Vegas fahren, um ihre jahrelange Liebe in einer minutiös geplanten Feier zu manifestieren. Politiker, die die Ehe so sehr bejahen, dass sie gar nicht genug davon bekommen. Und natürlich die zahlreichen Filme, in denen dem schmachtenden Zuschauer vor die Nase gehalten wird, wie es aussehen würde, wenn Nicholas Sparks unser aller Puppenspieler wäre. Stattdessen steht Ron Leavitt dort oben und zieht die Fäden unserer gebundenen Hände von einer Flasche zur nächsten. Und wir? Wir können nichts anderes machen als in den verblendeten Spiegel unserer Seele zu blicken und die fünf magischen Worte auszusprechen, die uns beim Schauen jener Liebespornos in den Köpfen rumspukt. “Habe ich etwas besseres verdient?”
Handlung
Nein.
In Fast Verheiratet, der neuen Romantikkomödie von Nicholas Stoller und Jason Segel geht es um ein Pärchen, das sich verlobt, es aber auch nach fünf Jahren Inkubationszeit nicht geschafft hat, sich das Ja-Wort zu geben. Ein Hauptgrund dafür ist, dass Tom Solomon (Jason Segel) für seine Verlobte Violet Barnes (Emely Blunt oder Zooey Deschanel?) sein bisheriges Leben als Koch aufgegeben hat, um sie in ihrem Traum zu unterstützen. Leider erkennt er schnell, dass das Leben in Massachusetts nicht mit dem in San Francisco zu vergleichen ist und lässt sich gehen. Dies wiederum stört Violet, die sich zu einem Kuss mit ihrem Professor hinreißen lässt. Daraufhin trennen sich ihre Wege. Doch ein Gedanke ist wie ein Virus, resistent, hochansteckend und die kleinste Saat eines Gedanken kann wachsen. Er kann dich aufbauen oder zerstören. Der kleinste Gedanke, wie zum Beispiel du liebst diese Person und willst sie heiraten.
Filmbeschreibung
Die beiden Verantwortlichen kennen wir bereits von der Komödie Nie wieder Sex mit der Ex und auch hier sind sie ihrem Rezept treu geblieben eine auf dem Papier romantische Geschichte mit teils derbem Humor zu würzen. Wer sich 2008 wohl gefühlt hat, der darf auch dieses Jahr wieder einen Blick auf Jasons Hinterteil werfen und dank der zahlreichen Lacher sein Repertoire an Vokalen zum Besten geben. Eine Sache hat sich hingegen geändert. Es wird viel mehr Wert auf die Romantik gelegt. Dazu später mehr.
Fast Verheiratet zählt auf jeden Fall zu den lustigsten Vertretern des Genres Romantikkomödie und man merkt den Beteiligten an, dass sie Spaß beim Drehen und Verwirklichen der absurden Ideen hatten. Der Witz selbst wird größtenteils aus zwei Komponenten generiert. Zum einen mittels der Schnitttechnik, wenn z.B. darauf angesprochen wird, dass zum Glück niemand gestorben ist – Schnitt – Beerdigung. Zum anderen via der verrückten Ansprachen der Nebenfiguren, die das Prinzip der umgangenen Erwartungshaltung ausreizen. Als Beispiel eine Rede vor einem weiteren Hochzeitstermin: Tom, du hast echt Glück deine Prinzessin gefunden zu haben. Schon als kleiner Junge, wenn man Cinderella, oder Schneewittchen gesehen hat, wünscht man sich doch, – hier kommt der Moment, in dem einen die Erwartungshaltung suggeriert, es folge “dass man eine Tages so eine Prinzessin heiraten darf” – dass man sie fi*ken könnte. Derbe Sprache inklusive. Dies passt hervorragend, wenn man der generischen Romantikfilme überdrüssig ist, die mit Kitsch und Tränen auf Beutefang gehen.
Doch, und ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals schreiben würde, trotz der unterhaltsamen, humorvollen Passagen, fehlt es Fast Verheiratet ausgerechnet dann, wenn Romantik aufkeimen soll. Den beiden Hauptdarstellern kauft man ihre innige Zuneigung zu keiner Zeit ab und der Funke will nicht überspringen. Das liegt auch an den uninspirierten Musikklängen, denen wir lauschen dürfen, wenn sich unsere Herzen öffnen sollen. Leider sind die immer wieder eingestreuten Storymomente, in denen nur die beiden Hauptdarsteller zu sehen sind, auch nicht so amüsant wie der Rest und so ergeben sich dann und wann Luftlöcher, die einen aufgähnen lassen. Und damit auch den Nebensitzer. Und dessen Nebensitzer. Nach dieser Kieferlaolawelle geht es glücklicherweise stets mit lustigen Szenen weiter, die beide bekannte Geschlechter zum Lachen anregen.
Insgesamt ein guter Film, wenn man mit dem Lebensabschnittsgefährten seiner momentanen Wahl am Kino vorbeiläuft und sich dafür entscheidet gemeinsam einen Film anzusehen, der beiden gefallen könnte. Oder allen fünf Mormonen. Für Männer alleine vom Humor her zwar zu empfehlen, aber das Zugeständnis an die Liebhaber der Romantik, besonders am Anfang und am Ende der zwei Stunden, sagt dann doch eher draußenbleiben. Für Frauen und ähnlich denkende ist er zwar ebenfalls lustig, aber die werden durch die ungenügend befriedigende Romanze ihre Erwartungen in der Richtung nach unten schrauben müssen. Erst die Idee für den Schlussakt könnte den Kitschkonsumenten große Augen machen lassen. Spätestens für einen launigen DVD-Abend zu zweit sehr zu empfehlen.
Bennis Fazit
Mich würde es sehr freuen, wenn die beiden endlich eine Komödie für Erwachsene machen würden, die keine Anleihen bei Liebesfilmen sucht. Denn der Humor hat mich zum Großteil wirklich angesprochen. Aber die liebreizenden Szenen, in denen sie zwischen Klischee und Parodie zu schwanken versuchen, wollen ihnen nicht gelingen. Abgesehen davon eine wirklich lustige Komödie, der man durchaus eine Chance geben darf, wenn man sich nur auf die humorvollen Momente konzentriert. Falls ihr euch für eine Sichtung entscheidet, dann achtet auch mal ab und zu auf den Hintergrund, insbesondere die Kleidung der Nebendarsteller, die für einige Insidergags verantwortlich ist. Wer bereits viele Filme und Serien der Popkultur gesehen hat, sollte in den Genuss noch mehr solcher Insider kommen, auch wenn einige davon kurz nach ihrer Nennung erklärt werden.
Ich persönlich habe oft gelacht, aber diese romantischen Zwischentöne verhageln das Gesamtergebnis dann leider wieder. Und diesesmal wollen diese auch nicht richtig zünden. Da hat es zwischen Justin Timberlake und Mila Kunis mehr geknistert. Und damit auch zwischen meinen – Fingern, die ich jetzt wieder in ihr Wärmebad lege, um bald die nächste Kritik zu schreiben.

