Sylvana, Sarafina, Estefania, Calantha, Loredana, Sarah-Jane, Lavinia, Jeremy-Pascal
Seit Einführung des Oscars für den besten fremdsprachigen Film im Jahre 1957, konnten neun französische Produktionen den goldenen Preis einheimsen. Das letzte Mal 1993 für das Drama Indochine. Mit anderen Worten ist das französische Kino am Ende und bringt keine Sehenswürdigkeiten mehr hervor. Zumindest könnten wir das an dieser Stelle lesen, wenn wir uns auf einer noch unseriöseren Seite befinden würden, die nur eine Statistik zurate zieht, um einen belieibigen Standpunkt zu untermauern.
Schauen wir in die jüngere Vergangenheit, thront ein gewisser Stummfilm mit dem Namen the Artist auf fünf Siegerlisten der letztjährigen Oscarverleihung. Darunter auf der Siegerliste für den besten Film des Jahres. Und auch beim Einspielergebnis schicken unsere lieben Nachbarn mit dem Werk Ziemlich beste Freunde einen mehr als würdigen Vertreter ins Rennen. Allein in Deutschland hat er bislang über 8,5 Millionen Zuschauer angelockt und weltweit sogar mehr als 350 Millionen Dollar eingespielt und liegt damit z.B. vor Kevin allein in New York, American Beauty und X-Men: First Class auf Platz 194 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Würden wir verallgemeinern, dann müsste hier folglich stehen, dass der französische Film boomt, wie noch nie.
Aber mal ehrlich, gibt es ihn überhaupt, den französischen Film? Dann müsste es ja auch den deutschen Film geben, eine Klassifizierung, der man gleich anmerkt, was man zu erwarten hat. Eine allzu große Überschneidung kann ich allerdings nicht sehen, wenn ich die bisherigen Filme von Roland Emmerich, Til Schweiger und Uwe Boll durchgehe. Und genau deswegen sehen wir uns von milw.org Der Vorname nicht als französischen Film an, sondern als Komödie von ein paar bouffeurs de grenouilles, die uns das liebgewonnene Elsass unrechtmäßig entrissen haben. Seid froh, dass wir nicht schwimmen können, sonst wären wir schon längst über den Rhein und hätten euch das Saarland im Austausch angeboten. Oder Bayern.
Handlung
In le prénom, so der Originaltitel, geht es um fünf befreundete Erwachsene, die sich zu einem gepflegten dîner treffen. Doch nachdem Vincent ankündigt seinem Nachwuchs den Namen [...] zu geben, wandelt sich die entspannte Atmosphäre und die Gemüter erhitzen sich. Was das wohl für ein Name sein wird? Niemand ist zufrieden mit der Namenswahl und plötzlich kommt heraus, dass Anna die Namen der Kinder von Élisabeth und Pierre zu modern und albern findet. Doch das soll nicht das letzte Geheimnis gewesen sein, das sich an diesem Abend offenbart. Bis etwas geschieht, mit dem zu Beginn keiner gerechnet hat.
Filmbeschreibung
Mit einfach Worten geht es um kleine, bis größere Lügen, die selbst in den engsten Freundschaften vorkommen. Und darum, wie sich das sowohl kurz- als auch langfristig auf die zwischenmenschliche Beziehung auswirkt. Die Tatsache, dass sich alle Beteiligten kennen und lieben ist hierbei der größte Unterschied zum oft als Vergleich herangezogenen Gott des Gemetzels. Beide basieren auf erfolgreichen Theaterstücken. Beide spielen hauptsächlich mit wenigen Personen in einem Raum. Und in beiden Stücken geht es um Erwachsene, die mit fortschreitender Laufzeit nicht nur an Ehrlichkeit gewinnen, sondern auch an Fassung verlieren.
Der Aufbau selbst ist jedoch ein anderer. Der Vorname beginnt nicht direkt mit einem Einstieg ins Geschehen, er stellt zuerst die einzelnen Personen mittels Szenen vor, die an Filme wie Amélie erinnern. Im Nachhinein wäre das nicht zwingend notwendig gewesen, und ist sicherlich der schwächste Teil des Filmes, obwohl/weil es das größte Zugeständnis an das Medium Film ist. Danach bedient man sich nur noch selten anderer filmischer Mittel und konzentriert sich auf die vor allem sprechenden Personen. Und ab da geht der Filmgenuss so richtig los. Die Dialoge sind süffisant geschrieben und wohl durchdacht, obwohl man als Deutscher viele Anspielungen auf die französische Popkultur an sich vorbeiziehen lassen muss.
Anfangs geht es noch um alltägliche Themen und um vergangene gemeinsame Zeiten, an denen wir uns erfreuen dürfen. Spätestens mit Aufkommen des Vornamenkonfliktes gerät der Redeschwall außer Rand und Band und der Zuschauer muss immer mehr auf seine Lachmuskeln zurückgreifen. Da wird dann philosophiert, beleidigt und abstruse Behauptungen aufgestellt, aber zu keiner Zeit wird einer der fünf Freunde bloßgestellt. Wie immer ein Pluspunkt. Die Darsteller an sich sind ebenfalls ein Pluspunkt und wissen mit Gestik und Mimik formidabel umzugehen, dass es wirklich eine Freude ist, ihnen beim Sprechen und Argumentieren zuzuschauen. Außerdem bietet der Film einige Überraschungen, eine gelungene Pointe und im Mittelteil viele Stellen zum Lachen, Schmunzeln und Kichern.
Wer auf sprachintensive Komödien steht, sich in der Freizeit Theaterstücke anschaut, oder bereits Gott des Getzels mochte, der sollte sich wirklich überlegen diesem Film eine Chance zu geben. Außerdem gehört er zu den Vertretern des Genres Komödie, die mit jeder Minute an Fahrt aufnehmen und immer lustiger werden, bis es zu einem unerwarteten Höhepunkt im letzten Filmviertel kommt. Der Vorname ist zwar kein Kinofilm, der die große Leinwand braucht, aber gehört sicher zu den besten Komödien 2012 – je nach Gusto. Wobei der Humor besonders volljährigen Zuschauern gefallen sollte, die sich auch im Privaten gerne mit ihren Freunden kabbeln und wissen was der Begriff kabbeln bedeutet. Sprich ab ca. 20 Jahre Lebenserfahrung sollten alle Altersgruppen angesprochen werden, die nach dieser Kritik Interesse bekommen haben.
Bennis Fazit
Die ersten zehn Minuten plätscherten noch vor sich hin und ich fragte mich, wann es denn endlich richtig losgehen mag. Als dann vier der fünf Protagonisten zusammensaßen und die Dialogspiele begannen, begann auch mein Humorzentrum anzuspringen. Und sobald herauskam auf welchen Vornamen der Titel anspielt, der als Katalysator für alles noch Kommende dienen sollte, hatte ich wahnsinnigen Spaß auf die Leinwand zu starren und der Spaß blieb auch bis zum Ende bestehen. Nach dem Höhepunkt nimmt das Tempo für die letzten zehn Minuten zwar wieder ab, aber insgesamt eine gelungene Komödie, bei der ich viel gelacht habe. Der Gang ins Programmkino hat sich demzufolge gelohnt. Wie auch damals bei Gott des Gemetzels, bei dem ich jedoch eine Spur besser unterhalten wurde, was wohl auch an der 30 Minuten kürzeren Laufzeit lag und das Werk damit rundum frischer wirken ließ. Trotzdem werde ich ihn mir irgendwann in ferner Zukunft nochmal anschauen und kann ihn hiermit nur weiterempfehlen – wenn man denn auf diese Art von Kammerspiel steht.
Natürlich wisst ihr, welcher Name gemeint ist.

