Ein Animationsfilm
Animationsfilme werden salopp oft als Kinderfilme abgestempelt. Doch es gibt genug Gegenbeispiele, die zeigen, dass Animationsfilm eben kein Genre bezeichnet, sondern nur eine Technik, wie ein Film gemacht werden kann. Nehmen wir die animierte Szene aus Kill Bill, die sicherlich niemand seinen kleinen Kindern vor dem Schlafengehen zeigen würde. Vielleicht als Experiment, aber das ist eine andere Geschichte und soll in einer anderen Einleitung erzählt werden. Genauso gehen die Filme Waltz with Bashir, Die letzten Glühwürmchen, oder Akira Themen an, die selbst für manchen Ausgewachsenen schwer zu verdauen sind. Und der Disneyfilm Ein Königreich für ein Lama hat aufgrund seines abgefahrenen Humors einen kleinen Kult in manchen Kreisen der gepflegten Unterhaltung entfacht, obwohl auf den ersten Blick die Machart eher Kinder ansprechen würde. In diese Richtung gehen auch Shrek 1 und Ab durch die Hecke, die von Kindern zwar wegen den bunten und lustigen Charakteren gemocht werden, aber der wahre Filmgenuss ergibt sich erst, wenn man die zahlreichen Parodien, Anspielungen und Zweideutigkeiten versteht.
Die Meister in der Disziplin alle Altersgruppen anzusprechen, scheinen die kreativen Köpfe bei Disney Pixar zu sein, die es verstehen mittels der Computertechnik nicht nur ein Slapstickfeuerwerk zu zünden, sondern auch Gefühle wie Spannung und Trauer zu provozieren. Ich mein Wall-E, Ratatouille, Oben, Die Unglaublichen, Die Monster AG, Findet Nemo, dazu muss ich nicht groß etwas schreiben. Die perfekten Filme für jung und alt und man kann auch sehr gut ohne Begleitung eines zugelaufenen Kindes ins Kino strömen, ohne gleich schief angeschaut und für einen Perversling gehalten zu werden. Wie bei der Mittagsvorstellung zu Hanni&Nanni. Es war halt heiß und ich hatte unter meinem luftigen Mantel nichts drunter. Meine Güte, da ist doch nichts verwerfliches dran. Ja, vielleicht hätte ich mein Glied nicht trockenrubbeln sollen, nachdem ich Cola darauf verschüttet habe. Und ja, ich hätte vielleicht ein Eis in der Hand halten sollen, als ich ein kleines Kind gefragt habe, ob es mal lecken will. Aber ich schweife ab. Ist Der Lorax ein Kinderfilm, ein Film für die ganze Familie, oder sogar besonders für ältere Zuschauer geeignet? – Ja. Ich meine Nein. Ich meine die Antwort folgt sogleich.
Handlung
Ted ist ein gewöhnlicher, 12-jähriger Junge aus der fiktiven Stadt Thneedville und ist verliebt in die bildhübsche Audrey. Diese hat nur eines im Kopf: Bäume. Denn Thneedville ist eine von der Außenwelt abgeschottete Stadt ohne natürliches Grün, in der man frische Luft in Flaschen kaufen kann. Glücklicherweise gibt Teds Oma ihm einen Hinweis, wie er zu einem Mann gelangen kann, der weiß was mit den letzten Bäumen geschehen ist. Einen baldigen Kuss im Sinn, fliegt er dahin und trifft den Once-ler in seiner abgelegenen Hütte außerhalb der Stadt. Dieser erzählt ihm eine Geschichte von Gier, Kapitalismus und Ausbeutung, die Thneedville zu der Stadt machte, die sie heute ist. Nicht nur das, es gibt anscheinend Hoffnung für die Welt. Doch der Herrscher über die Luft, Mr. O´Hare, ist bereits hinter Ted her und möchte die neugewonnene Hoffnung im Keim ersticken.
Filmbeschreibung
Der Lorax basiert auf einem Kinderbuch von dem in den USA sehr bekannten Autor Dr. Seuss, der bereits die Vorlagen zu Der Grinch und Horton hört ein Hu geschrieben hat. Sein Werk wurde 1971 veröffentlich und prangert den fortschreitenden Kapitalismus an und die mit ihm einkehrende Ausbeutung der Wälder. Diesen Themenschwerpunkt merkt man auch der Verfilmung an, die ganz ungeniert, mit voller Breitseite, dem Zuschauer die Moral vom verantwortungsvollen Umgang mit der Natur entgegenschleudert. Eine Botschaft, die auch heute noch von großer Bedeutung für die Menschheit ist.
Abseits dieser vorherrschenden Moral, bietet der Animationsfilm kindgerechte Unterhaltung mit süßen Nebencharakteren, wie man sie aus z.B. Ich, einfach unverbesserlich kennt. Diesesmal sind es niedliche Bären mit großen Kulleraugen, von denen besonders der dicke Bär für einige Lacher herhalten muss. Für mehr als gegen die Wand, auf die Schnautze, oder auf den Boden fliegenden Slapstick sind die Bären leider nicht gut. Trotzdem werden Kinder sich besonders an diese Figuren nach der Vorstellung erinnern.
Die eine Hauptfigur, Ted, wird ohne große Charakterisierung mitten ins Geschehen hineingeworfen und bereits fünf Minuten später ist er auf seiner Mission einen Baum zu beschaffen. Ob Kinder sich mit ihm identifizieren können, wage ich nicht zu beurteilen, er ist eben ein verliebter Bock, der allerdings nicht nur wegen des vereinfachten Aussehens der Menschen austauschbar wäre. Die zweite Hauptfigur, den Once´ler, lernen wir vor allem in Rückblenden kennen, in denen Jude Law die Geschichte erzählt, wie er durch eine geniale Geschäftsidee an Reichtum gelangt ist. Er ist so etwas wie der geläuterte Antiheld, der seine bösen Taten irgendwann erkennt.
Daneben gibt es noch eine rüstige Oma, eine verrückte Mutter, die fleischbergigen Handlanger von O´Hare und den titelgebenden Lorax. Leider kann aus dieser Nebendarstellerriege keine Figur besonders hervorstechen, da sie vor allen Dingen für weiteren Slapstick verantwortlich sind, den man aber Großteils schon in anderen Animationsfilmen so gesehen hat. Eine Ausnahme macht da der Lorax, ein bärtiges, orangenes Etwas, das als die Stimme des Waldes auftritt. Allerdings hätte man diese Figur auch ganz weglassen können, da sie sehr wenig Leinwandzeit bekommt und seine Aussagen bereits bebildert wurden. Er ist quasi als Bonbon für die Kinder eingebaut worden, die jedoch mehr mit den süßen, haarigen Bären anfangen können. Dass der Lorax auch im Deutschen von Danny DeVito gesprochen wird, ist beachtenswert, birgt aber keinen Vorteil.
Die Geschichte selbst lädt nicht zu Jubelstürmen ein, man hätte sich vielleicht auf eine Hauptfigur konzentrieren sollen, die in den 80 Minuten abgehandelt wird. So hat man von zwei Personen etwas, aber nicht genug Zeit, um wirklich mitfiebern zu können. Für Kinder wäre es besser gewesen eine richtige Hauptperson zu installieren und nicht in den Zeiten zu springen. Wer jetzt “Halt” ruft und meint, es sei doch schön, wenn man das für die Erwachsenen eingebaut hat, denjenigen muss ich enttäuschen. Für Erwachsene wird nicht viel geboten, da die Figuren so lieblos und austauschbar sind. Die lustigen Nebenfiguren haben zwar für ein paar Lacher gesorgt, aber da sollte man schon selbst wissen, ob es nicht langsam reicht mit diesen Slapstickeinlagen, die man schon zigmal gesehen hat. Und dann auch besser umgesetzt.
Auch sonst darf man viel sehen, das man schon aus anderen Filmen kennt. Drei Fische, die singen, erinnern stark an Rango, nur dass hier keine spanische Folklore, sondern Popmusik vorgetragen wird. Eine Szene, in der sie im Fahrstuhl flüchten, dieser langsam nach oben fährt, alles ruhig ist, nur die Fahrstuhlmusik spielt und sie von den anderen Insassen seltsam angeschaut werden, kennen Filme- und Werbungschauer ebenfalls aus dem Effeff.
Insgesamt ist es ein durchschnittlicher Kinderfilm für Zwischendurch, der ein paar lustige Szenen bietet und eine Moral, die sehr offensiv beworben wird, aber auch sehr wichtig ist. Viel wurde sich von anderen Produktionen abgeschaut und die Technik weiß zu gefallen. Ob das reicht, um sich bei Erwachsenen ins Gedächtnis zu brennen, wage ich zu bezweifeln, dazu wird über die Geschichte mit ihren zahlreichen Figuren zu holprig drübergehuscht. Alternativen sind mit Ice Age 4 und bald Merida, sowie Madagascar 3 zu Genüge im Kino vorhanden. Dann auch wieder mit Figuren, deren Potential ausgeschöpft wird.
Bennis Fazit
Ein sehr berechnender Film, wie ich finde. Packen wir hier ein paar lustige Tierfiguren hin und da einen körperlich kleinen Gegenspieler, das wird schon reichen. Leider nicht. Es gibt zu viele Figuren, die zu wenig Zeit zur Entfaltung bekommen und von denen die meisten nur dazu da sind, um ein, zwei Gags zu garantieren. Diese sind für Kenner des Animationfilmgenres aber zum Großteil nicht neu. Hätte man den Lorax stärker eingebunden, ihm einen eigenständigen Charakter gegeben, den Once´ler zur Hauptperson gemacht und eine interessante Geschichte von Schuld und Sühne um ihn herumgestrickt, dann hätte vielleicht ein erinnerungswürdiger Film für alle entstehen können. Sofern man zusätzlich noch die Musikeinlagen mit einem besseren Rhythmusgefühl ausgestattet hätte. So bleibt es ein Kinderfilm mit geringer Lacherquote, technisch gelungener Umsetzung und einer wichtigen Moral.
Die Moral von der Geschicht´; Bäume pflanzt man, Filme nicht



Schöne Moral am Ende deiner Review! Aber ja, hört sich nicht sehr nach einer Kost für mich an. Dreamworks schafft es leider nicht das hervorzuzaubern, was Pixar meistens gelingt!
Danke. Dreamworks hat zwar nie das Niveau der großen Pixar-Produktionen erreicht, aber ich finde sie haben schon ein paar Titel im Angebot, die sich sehen lassen können (Kung Fu Panda, Drachenzähmen leicht gemacht, Shrek, Madagaskar, Ab durch die Hecke).
Universal, die ja für “der Lorax” verantwortlich waren, haben mit “Ich – einfach unverbesserlich” auch schon einen amüsanten Animationsfilm geschaffen, aber “der Lorax” ist dann doch wieder ein Rückschritt. Der Durchschnitt bei familiengerechten Animationsfilmen wird aber auch immer höher und damit schwerer zu erreichen.