Die Anfangsgeschichte enthält einige Lügen, die aus journalistischer Sicht nötig waren, um dem Ganzen einen gewissen Reiz zu verpassen. Als Leser von Stern, Spiegel und Co. sollte ihnen das bekannt vorkommen.
Benjamin M. (Name geändert, d. Red.) war kein normaler Familienvater. Man könnte sogar schreiben: “Ganz im Gegenteil”, denn er hatte weder Frau noch Kinder. Und doch änderte sich sein Leben schlagartig mit diesem Tag. Wie jeden Morgen begann es mit dem Aufschlagen der Bild-Internetseite und endete mit dem Zuschlagen seiner Bettdecke. Ganz normal? Ganz normal – Bis dahin. Wie mit Toilettenpapier, muss man auch hier dazwischen nachhaken. Für BMW nichts besonderes, für einen Asketen die Verdopplung einer Todsünde, für ihn der erste Dreier seiner Präsenz im Diesseits. Was viele Menschen ob der gewaltigen Einwirkung von Sinneseindrücken schlichtweg für unmöglich hielten, versetzte ihn und seinen tapferen Sancho Panza in den Zustand eines müden Lächelns. 1 Stadt, 2 Kinos, 3 Filme. Sieben Stunden Powerplay an forderster Front. Je weniger der bloße Umstand des Zuschauens sich Eindruck zu verschaffen mag, desto manigfaltiger gerät es in den Vordergrund, dass 2/3 des Filmmaterials nicht nur nicht schlecht, sondern richtig gut waren. Und um das letzte Kapitel dieser Trilogie geht es nun. Vorhang/Spalte auf:
Ingredienzien:
Ein egoistischer Mensch, der denkt, dass er alles alleine schaffen kann, wird durch eine Extremsituation geläutert und kann am Ende sogar um Hilfe bitten.
Filmbeschreibung
Wie bitte? Ich dachte es geht um einen Bergsteiger, der verunglückt, dessen Arm zwischen einem Felsblock eingeklemmt wird und daraufhin 7620 Minuten in einem Felsspalt festsitzt? Vordergründig schon. Und das ist der erste von vielen Pluspunkten bei diesem 6-fach oscarnominierten Stück Filmographie. Regisseur Danny Boyle (Slumdog Millionaire) belässt es nicht bei der simplen Inszenierung einer äußerlichen Selbstrettung, sondern geht tiefer in die Psyche seines Patienten. Zur Hilfe standen ihm dabei das autobiographische Buch des wirklich verunglückten Bergsteigers – wahre Begebenheit grüßt – und dessen Filmaufnahmen seiner Handkamera. Außerdem erzählt er wenige Passagen in Rückblenden, erstaunlich wenig, wenn man bedenkt, dass fast der ganze Rest in diesem Spalt stattfindet. Glücklicherweise hat er mit James Franco (Spiderman 1-3) einen fähigen Hauptdarsteller zur Seite gestellt bekommen, der es glaubwürdig vermag diese Szenerie mit Innenleben auszufüllen.
Dieser und die kleinen Kniffe aus der Regiekiste sorgen dafür, dass einem während des gesamten Films nie langweilig werden sollte. Solange man es vermag sich etwas in die Situation hineinzuversetzen und man nicht von quatschenden Nebensitzern gestört wird. Neben dem zum Ende hin ekeligen Überlebenskampf des Protagonisten, bietet uns der Kameramann richtig schöne Naturaufnahmen des Blue John Canyons in Utah. Auch den Soundtrack gilt es zu erwähnen, der größtenteils aus bekannten Liedern besteht und das Ohr mit dem Auge im Takt hüpfen lässt. Stimmig. Wenn man das Ende nicht schon kennt, bleibt die Frage, ob man das nicht kennen sollte, denn es gibt einige Anspielungen während der gesamten Laufzeit auf die bevorstehende Tat und lässt einen hie im Schmunzeln, da im Schaudern stehen. Für Humor ist auch gesorgt, so ist der gelegentlich selbstironische Umgang mit seiner Situation für einige Lacher verantwortlich. Alles in Allem ein großartiges Drama, das meine Empfehlung mehr als verdient und nur den folgenden Minuspunkt bekommt: Werbung. Vor allem am Anfang schleichen sich immer wieder Markennamen ins Bild, um gesehen zu werden. Ob das mit Absicht oder aus gutherzigem Willen heraus geschehen ist, lasse ich dahingestellt.
Bennis Fazit
Gucken!
Selten durchläuft der Zuschauer so viele Stadien, wie bei diesem Film. Unglaubwürdiges Kopfschütteln, staunen, verschämtes Kichern, Ekel, lauthalses Lachen, Tränen verdrücken, usw. Und im Vergleich zum anderen guten Drittel the Kings Speech der mainstreamlastigere der beiden mit seinen verspielten Ideen rund um Wahn und Wahnsinn des gereinigten Helden. Nun also hat man die Wahl zwischen mehreren guten Filmen und wie oft kommt das schon vor im Kinojahr? Wer sich also schon Karten für niederen Schund gekauft hat, sollte eine Investition in diesen unterstützenswerten Streifen nicht scheuen. Es lohnt sich.
Auf einer Taio Cruz Skala heben wir eine Hand ganz klar nach oben.
Christians Meinung
127 Stunden in einer Felsspalte gefangen zu sein, das geht an die Substanz. An die geht der Film dem Zuschauer zwar nicht so sehr wie Aron Ralston, allerdings fesselt und packt der Film ungemein mit seiner Atmosphäre und seinen Momenten – wenn man sich denn darauf einlässt. Eindrucksvoll wird hier die wahre Geschichte eines Mannes erzählt, der durch dieses Missgeschick am Ende [...] viele verschiedene Stadien auf dem Weg dorthin durchlebt. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir einige Szenen schon eine Gänsehaut bereitet haben, einfach weil sie sehr authentisch und gelungen rüberkommen. Zu erwähnen ist hierbei besonder die Szene nachdem der Felsspalt seinen Arm einklemmt – der Schockzustand – WOW!
Mehr wird nicht verraten, gesagt sei nur, das man Vergleichbares in noch keinem anderen Film erlebt und bis zu einem gewissen Grad selbst gespürt hat. 127 Hours beweist auch mal wieder eindrucksvoll, zu welchen Leistungen der Mensch in Extremsituationen in der Lage ist und welche Schutzreaktionen des Körpers zum Tragen kommen. Man kann jedem nur empfehlen diesen Film gesehen zu haben, denn man verpasst wirklich etwas, wenn man ihn nicht gesehen hat. Atmosphäre, Itensität, Authentizität – TOP! Die sechs Oscarnominierungen sind völlig berechtigt.
Von mir gibt´s klare 9 von 10 Felsbrocken für dieses Meisterwerk!


